Im Interview: Dorothy Yoon

vor 6 Monaten

Auf der Biennale in Venedig haben wir Künstlerin Dorothy Yoon getroffen und mit ihr über ihre Werke gesprochen.

Dorothy M. Yoon (Miyeon Yoon) wurde 1976 in Südkorea geboren und lebt in Seoul. Ihre Arbeiten waren schon in diversen Museen in Europa und Asien zu betrachten.

FM: Du hast gestern deine Kunst während der Biennale X Swatch Pressekonferenz vorgestellt. Dort hast du verraten, dass du ein bestimmtes Material für deine momentane Arbeit verwendet hast. Was ist so besonders an dem Material?

DY: Sehr gerne. Dieses Material heißt Saek-Dong. Ursprünglich ist dieses Material in Südkorea für Traditions- und Kinderbekleidung. Es soll sie schützen und ihnen Glück bringen. Dies betrifft besonders Kinder, die in ärmlichen Verhältnissen aufwachsen.
Es ist ein sehr traditionelles, fast langweiliges Material und überhaupt nicht modisch. Als ich meinem Bruder erzählte, dass ich mit diesem Material arbeiten möchte war er zunächst besorgt.

FM: Wieso besorgt?

DY: Er war besorgt, weil das Material in seinen Augen altmodisch und überhaupt nicht künstlerisch ist.

FM: Aber du hast dir dabei wahrscheinlich schon etwas gedacht?

DY: Ja. Aber auch Menschen aus der Kunstszene waren pikiert darüber. Sie fragten mich: „Möchtest du Korea international so darstellen?“ Aber mir geht es um die Farben dieser Kleidung. Diese Farben haben eine Bedeutung für mich.

FM: Und eine Bedeutung für Korea?

DY: Genau. Es geht um die Geschichte Koreas und darum eine neue Bedeutung der Tradition zu kreieren.

FM: Die verstaubte Geschichte in etwas neues und künstlerisches umzuwandeln?

DY: Ja. Es geht dabei auch um mich. Es ist also auch sehr persönlich. Es geht um das Leben und Energien.

FM: Diese Farben geben dir Energie?

DY: Ja genau. Zwischen mir und diesen Farben besteht eine Verbindung.

FM: Du verwendest verschiedene Methoden für deine Arbeiten. Malerei und 3D? Was bevorzugst du persönlich?

DY: Da ich meinen Abschluss in Bildhauerei und Malerei absolviert habe, komme ich natürlich aus der handwerklichen Richtung. Jedoch interessiert mich in letzter Zeit 3D sehr.

FM: Du hast eine Arbeit über Horoskope gemacht. Was genau hat es mit dieser Arbeit auf sich?

DY: Vor einigen Jahren hatte ich Krebs und musste eine Chemotherapie machen. Als die Medikamente durch meinen Körper floßen habe ich viele bunte und intensive Farben gesehen. Es hat sich angefühlt wie ein Feuerwerk aus unendlich vielen Farben.

FM: Wow!

DY: Ja sehr verrückt. Ich habe dann diese Nadel, über die das Medikament in meinen Körper geleitet worden ist, Magic Stick genannt.

FM: War das deine Art das Gute in dem Schlechten zu sehen?

DY: Ja, ich habe die Realität dadurch für mich umgewandelt. Der meiste Teil meiner Arbeit besteht darin wahre Erlebnisse in meine Arbeit einfließen zu lassen. Das ist mein Weg damit umzugehen.

FM: Ich verstehe. Und die Kleidung?

DY: Der Magic Stick ist nicht genug. Ich habe eben noch diese Kostüme entwickelt, denn auch Kleidung kann Kraft geben. Deswegen habe ich dieses Kostüm entworfen.

FM: Kommen wir auch die Horoskope die du entwickelt hast.

DY: Ich habe das westliche mit dem chinesischen Horoskop verknüpft. Das symbolisiert auch wiederum Tradition und Moderne. Das chinesische ist ja in Jahren unterteilt und das das westliche in Monaten. Dabei ist alles enthalten – Gut und Böse.

FM: Du hast auch Arbeiten über europäische Märchen gemacht. Erzähl uns doch noch etwas dazu.

DY: Als ich noch sehr jung war hat mir meine Oma europäische Märchen vorgelesen, Andersen und Grimm Märchen. Ich habe mich so sehr damit beschäftigt, dass ich von Märchen geträumt habe.

FM: Du lebst in Südkorea. Was für eine Beziehung hast du zu Nordkorea? Lässt du auch politische Konflikte in deine Arbeit einfließen?

DY: Ja – zum Beispiel in der Arbeit, die ich von den ursprünglich zwei Mädchen gemacht habe, bei der aber nur noch eine zu sehen ist. Das sichtbare Mädchen repräsentiert Südkorea und das ausgelöschte Mädchen repräsentiert Nordkorea. Das Konzept meiner Arbeit besteht Grenzen, aber auch einem gemeinsamen Bund. Diese beiden Dinge kreieren einen Ausgleich.

FM: Was würdest du sagen ist dein größter Fokus bei deiner Arbeit?

DY: Mein Fokus liegt auf Grenzen und Verbundenheit. Realität und Qualität.

 

Interview: Rina Kasumaj
Bilder: Dorothy Yoon

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