Im Interview: IDER

vor 3 Monaten

Das Pop-Duo sprach mit uns über ihr Geheimnis für eine gute Freundschaft, Sexismus in der Musikbranche und ihr upcoming Debütalbum.

Die britische Pop-Band IDER bringt uns mit harmonischen Gesängen und ehrlichen Texten ihre Gefühlswelt, die für eine ganze Millennial-Generation stehen könnte, nah. Eine Mischung aus kraftvollem Pop, Electro-Klängen und tiefgehenden Bässen verbinden sich zu einem atmosphärischen und doch tanzbaren Sound.

Anlässlich des Releases ihres Albums „Emotional Education“ am 19. Juli sprachen wir mit den beiden Band-Mitgliedern Lily Somerville und Megan Markwick über die Herausforderungen, denen weibliche Artists in der Musikbranche begegnen und den Wert von Ehrlichkeit und Emotionaliät in Freundschaften.

 

Fräulein:Wo kommt ihr beide ursprünglich her und wie seid ihr zur Musik gekommen?

Lily: Meg ist aus Nord-London und ich komme aus Birmingham. Wir haben uns in dem ersten Semester unseres Musikkurses in Cornwall kennengelernt. Wir wurden in eine Gruppe zusammengesteckt und sind eigentlich direkt Freunde geworden. Wir begannen zusammen Musik zu machen und wurden ziemlich schnell die anderen der Gruppe los und haben unser eigenes Ding gemacht. IDER gibt es seit ca. 5 Jahren.

Fräulein: Wie würdet ihr euren Musikstil beschreiben? Gibt es bestimmte Künstler, die euch als Vorbilder dienen?

Megan: Ja, wir haben ziemlich viele Role Models. Das ist eine schwere Frage, wie wir unsere Musik beschreiben würden. Ich denke, wir machen Pop-Musik, aber wir sind etwas mehr Alternative und in der linken Pop-Szene zu verorten. Wir sind sehr inspiriert von R’n’B, HipHop, Classical, Americano, Folk, Indie und das alles kommt zusammen auf unserem Album. In Bezug auf Vorbilder: wir haben viele weibliche Vorbilder angesichts dessen, was in der Welt derzeit passiert und mit welchen Herausforderungen wir uns konfrontiert sehen. Auf jeden Fall Beyonce und Florence and the Machine. Lana Del Rey war ein sehr wichtiger Einfluss für uns, als wir begonnen haben Musik zu machen. Auch sehr viele männliche Künstler beeinflussen uns, wie Frank Ocean, Mike Miller oder das neueste Album von James Blake. Ich wuchs zudem mit sehr viel Bruce Springsteen und Johnny Cash auf. Wie man sieht, sind unsere Role Models sehr divers und ich denke, das hört man auch in unserer Musik.

Fräulein:  Ihr seid enge Freundinnen und sogar Mitbewohnerinnen. Harmoniert ihr im privaten Leben genauso gut miteinander wie in eurer Musik?

Lily: Ja, wir leben tatsächlich in absoluter Harmonie miteinander. Wir wohnen zusammen in Nord London sozusagen in Meg’s Zuhause, wo sie aufgewachsen ist. Und ich denke, das alles fließt zusammen: unsere Freundschaft und die Art, wie wir unsere Songs schreiben. Wir leben und arbeiten in unserem Schlafzimmer. Und es ist tatsächlich harmonisch.

Fräulein:  Ihr schreibt also all eure Songs gemeinsam?

Lily: Ja, wir haben einen Ort in unserem Zuhause, wo wir all unsere Songs zusammen schreiben. Und dann gehen wir in unterschiedliche Studios, um mit unterschiedlichen Produzenten zusammen zu arbeiten. So ist unser Album entstanden.

Fräulein: Habt ihr einen guten Rat für eine gelingende Freundschaft? Wenn ihr so viel Zeit miteinander verbringt, wie schafft ihr das?

Lily: Ich denke Ehrlichkeit. Wir wissen, wann man einander Raum geben sollte und wir sind sehr ehrlich mit dem, was uns momentan beschäftigt.

Megan:  Ja ich denke, das stimmt. Gleichzeitig wissen wir auch nicht wirklich, was es ist. Es ist etwas verrückt. Wer trifft seine beste Freundin, macht Musik gemeinsam und wohnt zusammen? Diese ganze Beziehung ist so verrückt und interessant für Außenstehende. Und wenn wir einen Moment nehmen und darüber nachdenken, denken wir auch, ja was ist das? Aber eigentlich ist es für uns normal und es funktioniert einfach. Und wie Lily sagt: unsere Freundschaft ist die Essenz von IDER.

Fräulein: Ihr teilt sehr viele emotionale und persönliche Gedanken in eurer Musik mit der Welt. War dies eine bewusste Entscheidung oder hat es sich einfach so entwickelt?

Megan: Ich denke, es war eine bewusste Entscheidung. Es gab einen Wendepunkt, als wir gemerkt haben, wir möchten mehr ehrliche Texte schreiben. Ich frage mich, ob es damit zu tun hat, dass man älter wird und selbstbewusster.

Lily: Ja, weniger besorgt darüber, was man sagen sollte und weniger ängstlich vor dem, was man fühlt.

Megan:  Und wir stellen diesen Safe Place zwischen uns her. Wie Lily erklärt hatte, ist unsere Beziehung so ehrlich und offen. Wir reden über alles, bevor wir darüber schreiben. Deshalb fühlt es sich so an, als wurde es vorher schon alles gesagt. Dieser Safe Place erlaubt uns, zu existieren und als Band zu funktionieren.

Lily: Und wir realisieren, was für einen Wert das hat, wenn man ehrlich miteinander sein darf und für die eigene Ehrlichkeit akzeptiert wird, was auch immer man mitteilen möchte. Und ich schätze, wir wollten dies mit anderen Menschen teilen und ihnen erlauben sich auch akzeptiert zu fühlen.

Fräulein: Also gab es keine großen Hindernisse, die eigenen Gefühle mit der Welt zu teilen?

Lily: Ich denke, es kam sehr natürlich, denn wenn man es einmal verarbeitet hat, dann ist es irgendwie draußen und dann ist es für den Rest der Welt – wenn sie es denn wollen.

Fräulein: Euer Album-Titel heißt „Emotional Education“. Ist dies auch auf eure Offenheit in eurer Musik bezogen?

Megan:  Ja, der Titel stammt aus den Lyrics unseres Albumtracks „The Saddest Generation“. Und ich denke, „Emotional Education“ ist das, was dieses Album uns gegeben hat und was wir hoffen, anderen Menschen damit geben zu können.

 

„Es fühlt sich zurzeit wichtig an, zusammen zu kommen, Probleme aufzuzeigen und offen und stark aus einer weiblichen Perspektive zu sprechen. Wir haben dieses ganze Album selbst geschrieben und leider ist das sehr selten zu finden. Nicht nur, dass eine Popband ihre Lieder allein schreibt, sondern auch, dass diese Popband weiblich ist.“

 

Fräulein: Wie fühlt es sich an, als junge Frauen in der Musikszene erfolgreich zu werden?

Lily: Das ist eine interessante Frage. Ich denke, es verändert sich auch unsere Vorstellung dessen, was „erfolgreich“ bedeutet. Ja wir sind durchaus erfolgreich in verschiedenen Dingen, die wir tun: wir veröffentlichen unser Debütalbum und arbeiten mit einem großartigen Manager und Team von Glassnote Records zusammen. Und wir sind so stolz darauf, wo wir grad sind. Aber ich denke, unsere Vorstellung von Erfolg ist größer, als das, wo wir grad sind. Ich weiß nicht, ob sich dies jemals ändern wird. Aber ich schätze, man hat immer größere Vorstellungen von dem, was man noch erreichen möchte.

Megan: Im Bezug auf Frauen in der Musikszene: es fühlt sich zurzeit wichtig an, zusammen zu kommen, Probleme aufzuzeigen und offen und stark aus einer weiblichen Perspektive zu sprechen. Wir haben dieses ganze Album selbst geschrieben und leider ist das sehr selten zu finden. Nicht nur, dass eine Popband ihre Lieder allein schreibt, sondern auch, dass diese Popband weiblich ist. Es gibt viele Songwriter und ein Großteil von ihnen ist männlich. Und wir haben das Gefühl, dass wir eine Verantwortung mit uns tragen, da uns diese wunderbare Möglichkeit gegeben wurde, ein Album zu veröffentlichen. Deshalb wollen wir offen über Beziehungen und Sex reden. Ein starker Song aus der weiblichen Perspektive und nicht mit dem Male Gaze und den Ideologien von Männern. Ich habe das Gefühl, es gibt sehr viel weibliche Energie in der Welt zurzeit. Es ist aber noch ein langer Weg, um wirklich ein Gleichgewicht herzustellen. Und das alles beeinflusst auch unsere Musik. Wir repräsentieren Frauen, die zusammen kommen – auch wenn es nur wir beide sind.

Lily: Zum Beispiel haben Menschen so sehr Probleme unsere Beziehung zu verstehen. Sie denken, wir müssten entweder Schwestern oder in einer Beziehung sein. Die Vorstellung, dass zwei Frauen sich gegenseitig unterstützen und befreundet sind, ist so ungewöhnlich für viele Menschen.

Megan:  Und wir sind auch noch Co-Writer. Das sieht man nicht so häufig. Aber nicht, weil es nicht existieren würde, sondern aufgrund der Welt, in der wir leben.

Fräulein: Ihr werdet dieses Jahr noch auf Tour gehen. Wo werdet ihr überall spielen?

Lily: Wir spielen auf einigen Festivals diesen Sommer. Unteranderem auf dem Melt-Festival am 19. Juli, am selben Tag wird auch unser Album veröffentlicht. Wir lieben es Shows in Deutschland zu geben. Wir hatten hier schon einige großartige Auftritte. Wir werden einige Headline-Shows in Europa geben. Am 31. Oktober kommen wir nach Berlin, am 1. November nach Hamburg und am 10. November spielen wir in München. Außerdem werden wir noch mit Sigrid Ende des Jahres durch Europa touren. Dies werden große Arena-Shows und es wird sehr aufregend. Weitere unserer Shows folgen Anfang nächsten Jahres. Wir haben unseren Drummer auch das erste Mal mit uns auf Tour. Dies wird eine sehr aufregende Zeit für uns.

 

Interview: Stefanie Triebe

Bilder: Ade Udoma & Michelle Janssen

 

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