Januhairy: Lass es wachsen

vor 7 Monaten

Gegen den Zwang der Körperhaarentfernung und für bewusste Body Positivity. 

Frauen plagen sich tagtäglich mit dem lästigen Thema, sich vermeintlich rasieren zu müssen. Alle Körperstellen müssen schön glatt und rein aussehen. Vom Intimbereich, über die Beine bis hin zu den Achseln und manchmal sogar die Unterarme, nichts wird ausgelassen. Jede neue und effektive Methode wird ausprobiert, um möglichst lange ein Nachwachsen der entfernten Haare zu vermeiden. Wir sind selbst ganz genervt von unserer Pingeligkeit, die uns oftmals durchdrehen lässt, sobald wir ein Haar versehentlich ausgelassen haben und es zufällig erblicken. Doch stressen wir uns nicht zu sehr mit dieser übertriebenen Genauigkeit und dem Drang, an allen möglichen Körperstellen glatt wie ein Babypopo auszusehen? Ist das Idealbild der zarten Frauenhaut noch allgegenwärtig oder ist dieses Gesellschaftsbild sogar schon längst überholt?

"Ich realisierte, was für ein weiter Weg es noch ist, bis wir uns gegenseitig wirklich so nehmen, wie wir sind."

Während sich Menschen an den Anblick von weiblichen Achselhaaren gewöhnt haben und es nicht mehr als sonderbar wahrnehmen, scheinen behaarte Frauenbeine noch auf Unverständnis bei vielen Leuten zu stoßen und einen gewissen Ekel hervorzurufen. Durch dieses gesellschaftliche Idealbild einer perfekten, glatten Haut fühlen sich viele Frauen unter Druck gesetzt diesem gerecht zu werden und sich mit der Routine der Haarentfernung auseinanderzusetzen. Eine Aktion, die Frauen von diesem Leid befreien und dazu aufrufen möchte, zu ihrem natürlichen Haarwuchs zu stehen, ist die haarige Internet-Challenge “#Januhairy“. Die Bewegung Januhairy,  die von der 21-jährigen Studentin Laura Jackson ins Leben gerufen wurde, will die Instagram-Nutzerinnen ermutigen sich einen Monat lang nicht zu rasieren. Im Rahmen eines Theaterprojekts ließ Laura ihr Körperhaar wachsen. In dieser Zeit änderte sich auch ihr Meinungsbild durch die Reaktionen ihrer Mitmenschen. Laura berichtete auf Instagram, was ihr genau die Augen öffnete: “Nachdem ich mich einige Wochen lang daran gewöhnen musste, begann ich mein natürliches Haar zu mögen. Obwohl ich mich befreit und selbstbewusst fühlte, verstanden viele Menschen in meinem Umfeld nicht, warum ich mich nicht mehr rasieren/ mich nicht mehr anpassen wollte. Ich realisierte, was für ein weiter Weg es noch ist, bis wir uns gegenseitig wirklich so nehmen, wie wir sind.“

Lauras will mit ihrer Social Media Aktion den Druck aus dieser Thematik nehmen und Frauen auch Gleichzeit klar machen, dass sie Gewohnheiten, die sie für selbstverständlich halten, hinterfragen sollten. Ihr persönliches Anliegen ist es, dass Frauen anfangen zu reflektieren und sich entweder bewusst für oder gegen das Rasieren entscheiden. Die Studentin findet, dass beide Arten mit Körperbehaarung umzugehen richtig sind. Das Vergegenwärtigen und die willentliche Entscheidung stehen bei dieser Bewegung im Vordergrund. Die Studentin sammelt mit ihrer Aktion auch Geld. Januhairy gehört zu der Wohltätigkeitsorganisation “Body Gossip“, die sich mit ihren Projekten dafür einsetzt, dass Menschen zufriedener mit sich sind.

Unter dem Hashtag #Januhairy haben Frauen auf der ganzen Welt bereits 4.000 Schnappschüsse ihrer Körperbehaarung auf Instagram geteilt und sich an der Aktion beteiligt, um öffentlich herauszufinden, womit sie sich selbst am wohlsten fühlen. Diese Internet-Bewegung veranlasst Frauen, sich mit ihren Komplexen und Ängsten bezüglich ihres individuellen Körpergefühls auseinander zu setzen und sich somit von gewissen Zwängen, die sie möglicherweise unter Druck setzen, zu befreien. Diese Aktion zwingt Frauen nicht den Rasierer zu verbannen, um ein Teil dieser Bewegung zu sein, sondern bestärkt sie, ein gesundes Körpergefühl zu entwickeln.

 

Text: Yamur Cellik
Bild: Unsplash.com

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