Mother: Tribut an die Mutterschaft

vor 3 Monaten

Vor Kurzem ist das neue Kunstbuch „Mother“ von Fotograf Adrian Samson erschienen. Wir haben mit dem in London lebenden Künstler über sein persönliches Projekt gesprochen. Erfahrungen einer Geburt und Gedanken über die endlose Liebe von Müttern.

In „Mother“ sehen wir Stilleben von Spielzeug, Windeln, Babykleidung, Nahaufnahmen von Früchten und Körperteilen. Es ist eine ganz intime, fast dokumentarische Arbeit, die der gebürtige Slowake für sein neues Buch zusammengestellt hat. In einem riesigen Closeup sehen wir, wie sein kleiner Sohn nuckelt, auf dem anderen, wie Samson und seine Frau Gemüse schneiden. Dann wiederum ein Schattenspiel oder eine Doppelseite mit einer Serie von der Babyhand, die nach diversen Dingen greift. Ein bunter Abwasch ist auch dazwischen.

Adrian Samson ist ein frischer, glücklicher Vater und hat sich mit seinem neuen Leben künstlerisch auseinandergesetzt. Während der schwierigen Geburt seines Sohnes, musste er sich kurzzeitig um das Leben seiner Partnerin und Baby sorgen. Umso größer war die Erleichterung, das erste Lächeln seiner Frau nach der Geburt zu sehen.

Fräulein: Wann hast du mit deinem neuen Buch „Mother“ begonnen und was war deine Vision dabei?

Adrian Samson: Ich habe mit dem Buch begonnen, als meine Partnerin im neunten Monat schwanger war. Mein Plan war zuvor, eine Variation von dem skulpturellen Bild ihres Bauchs zu shooten, als ein Set von Still Life Kompositionen.

FR: Hat das Resultat deine ursprüngliche Vision widergespiegelt?

AS: Ja, das hat es. Später allerdings habe ich die vielen neuen Dinge gesehen, die uns passierten, und begann, alles noch einmal zu reflektieren. So fügte ich dem Buch kontinuierlich neue Objekte und Erfahrungen hinzu.

FR: Was war das spannendste Erlebnis, von dem du während deines Buchprojektes lernen konntest?

AS: Vermutlich die Tatsache, wie viel Spaß es mir machte. Alles begann mit einem Kopier-Mechanismus in einer unvertrauten Situation. Aber dann wurde es zu einem Weg, das zu tun, was ich immer tat, nur mit einem Baby.

FR: Gibt es in dem Buch ein Bild, das dich emotional besonders berührt?

AS: Ich fühle mich allen Bildern sehr nah, besonders nah aber denen von meinem Sohn und seiner Mutter.

FR: Wie hat dich die Geburt deines Sohnes verändert? Hat es deine Perspektive auf das Leben und Fotografie gewandelt?

AS: Als Elternteil lachst du viel mehr und du genießt Dinge, von denen du niemals geglaubt hast, sie genießen zu können. Du kannst auf einmal stundenlang im Gras sitzen und Wanzen beobachten. Zuvor habe ich einen ganz anderen Blick auf die Welt gehabt.

FR: Welche Worte fallen dir ein, wenn du Geburt denkst?

AS: Albtraum. Qualen. Erschöpfung. Erleichterung.

FR: Wie würdest du persönlich eine Geburt beschreiben? Warst du bei der Geburt deines Sohns dabei?

AS: Ja, ich war die ganze Zeit dabei, von Mitternacht bis 15 Uhr am nächsten Tag. Die Geburt von meinem Sohn war sehr kompliziert. Es traten viele Komplikationen auf in einem Ausmaß, dass wir besorgt waren, ob sie es beide überleben würden. Es war eine enorme Erleichterung sie beide am Ende glücklich und gesund zu sehen. Ich werde dieses Erlebnis nie vergessen, die Ärtze, die Krankenschwestern. Ich halte es für extrem wichtig, dass Väter da sind, um ihre Partnerinnen zu unterstützen.

FR: Was denkst du über Mutterschaften?

AS: Ein Vater liebt sein Kind mehr als ich es jemals für möglich hielt, aber ich könnte es trotzdem nicht mit der Liebe einer Mutter vergleichen. Die Fürsorglichkeit, die Hingabe, die Zärtlichkeit, die eine Mutter einem Kind schenkt, ist unbeschreiblich.

FR: Was ist die größte Herausforderung, ein Vater zu sein?

AS: Für mich persönlich ist die größte Herausforderung, neue Verantwortlichkeiten zu dem eh schon arbeitsreichen Schedule hinzuzufügen. Auch mit den übertriebenen Emotionen umzugehen, mit denen man konfrontiert ist. Die Tatsache, dass alle Eltern durch diese Lernkurve durchmüssen, verändert deinen Blick auf alle Eltern, deinen eigenen inkludiert.

FR: Deine Top 5 Quarantäne-Ratschläge?

AS:

  1. Schlafe mehr, wer weiß, wie lange du das noch kannst.
  2. Sei nachsichtig mit dir selbst. Es ist nicht der richtige Zeitpunkt, sich zu übernehmen. Sei dankbar für die Chance, dich auszuruhen und verbringe Zeit mit deinen Liebsten.
  3. Sorge dich weniger. Niemand weiß, was der Effekt davon sein wird. Du kannst das Ergebnis nicht kontrollieren.
  4. Erinnere dich daran, wie glücklich du bist (wenn du im Westen lebst, gesund bist und kein Fließbandarbeiter bist).
  5. Meditiere darüber, welche Veränderungen du professionell und persönlich umsetzen könntest nach dem Lockdown.

 

Bilder: aus „Mother“ von Adrian Samson, veröffentlicht im Rollo Press Verlag

Text: Sina Braetz

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