Reisebloggerin Christine Neder über Traumziele und ihre Wirkmacht

vor 5 Monaten

Zehn Jahre erfolgreiche Blogerfahrung und mehr: Christine Neder – a.k.a. lilies_diary – nimmt aus vielen Blickwinkeln eine pionierhafte Rolle in der digitalen Szene Deutschlands ein. Im Interview mit Fräulein erzählt die Reisebloggerin über physische Traumziele und deren mentale Auswirkungen.

Fräulein: Was fasziniert dich am meisten am Reisen? Wie verändert es dich?

Christine Neder: Es fasziniert mich alles. Die Luft, die neuen Gerüche, das andere Essen, die Stimmung … und dass es so vielseitig sein kann. Vom satten Dschungelgrün, bis zur graubraunen Steppe. Ja, ich glaube mich faszinieren immer und immer wieder diese wunderschönen, unterschiedlichen Landschaften auf diesen Planeten.

Es gibt keine Reise, die ich nicht ohne einen neuen Denkansatz abgeschlossen habe. Natürlich gibt es Länder wie Indien, wo das Leben, und was man erlebt, so viel intensiver ist, wenn man mit dem Backpack unterwegs ist. Da kann eine Pauschalreise nach Mallorca natürlich nicht mithalten. Aber auch auf der Insel gibt es wunderschöne Dörfer und Küsten, die mich an Kalifornien erinnert haben. Reisen macht mich viel dankbarer für das Leben und gibt mir so viel Verständnis für andere Menschen.

 

Welche Reiseziele würdest du uns spontan empfehlen wollen?

Es ist unmöglich, ein Ziel rauszusuchen. Es kommt immer darauf an, was die Reisenden suchen. Wer eine karibische Perle sucht, dem empfehle ich Dominica, Berge und Meer hat der Oman zu bieten, landschaftlich unfassbar ist Island und mein Lieblingsland ist Portugal.

 

Wie hat sich das Reisen durch Social Media und die omnipräsente Suche nach dem perfekten Foto verändert? Die Dichterin Nayyirah Waheed schlug diesbezüglich große Wellen, indem sie auf eine gewisse Oberflächlichkeit in der heutigen Reisekultur aufmerksam machte, und fragte: „Would you still want to travel to that country if you could not take a camera with you – a question of appropriation“?

Das ist eine gute Frage und ich glaube, das ist – wie alles im Leben – von Person zu Person unterschiedlich. Bin ich von meinem Charakter und Werten eher oberflächlich, interessiert mich vielleicht wirklich nur das Foto. Ich denke aber, dass hat nichts mit Social Media zu tun, sondern durch Social Media wird es nur einfach sichtbarer, wie manche Menschen ticken. Ich sehe mich da ein bisschen als Sonderfall. Ich habe es mir zur Mission gemacht, die Menschen von der Schönheit unserer Welt zu überzeugen und sie immer wieder anzuregen, ihre Koffer zu packen und loszureisen. So etwas kann man natürlich am besten visuell mit Fotos und Videos. Aber trotzdem sind für mich persönlich immer noch die Ereignisse mit Menschen, die man trifft und die ganz anders ticken und ein ganz anderes Lebensmodell haben, am spannendsten auf der Reise. Solche Begegnungen kann kein Foto widerspiegeln.

 

Du bist Teil der globalen #shemovesmountains Kampagne von The North Face. Was hat dich vor allem daran gereizt und überzeugt?

„Berge versetzen“, das hört sich nach unmöglichen Leistungen an. Aber die Kampagne zeigt schön, dass man auch im Kleinen so viel bewirken und versetzen kann.

 

Im Rahmen der Kampagne werden starke Frauen aus diversen Szenen ins Scheinwerferlicht gerückt – welche Frauen inspirieren dich?

Ich glaube im ersten Schritt sind es Frauen, die auf sich selbst achten. Die sich immer wieder fragen: Ist mein Leben das Leben, das ich leben will? Durch das viele Reisen weiß ich, dass wir in einer Gesellschaft leben, in der wir uns erlauben dürfen, diese Fragen zu stellen, denn wir sind frei in unserem Handeln und Denken, und diese Chance sollten wir nutzen. Ich bewundere alle, die nicht die Stärke haben, Dinge zu ertragen – sondern den Mut, sie zu ändern. Die ihr Leben leben und sich nicht von ihrem Leben leben lassen. Erst wenn ich es schaffe, ein erfülltes und glückliches Leben zu haben, kann ich so stark und inspirierend für Andere werden und Großartiges vollbringen.

 

Du bist nicht nur Bloggerin, sondern auch als Consultant, Moderatorin und Autorin tätig. Wie bekommt man all das unter einen Hut und was würdest du jungen Frauen mit auf den Weg geben, die diese Berufsfelder einschlagen wollen? 

Ich glaube nicht, dass man diesen Berufsweg gezielt einschlagen kann. Das hat sich alles Jahr für Jahr entwickelt durch Talent, Neugier aber auch Glück. Welchen Rat ich wirklich geben kann, ist, sich immer mal wieder zu fragen: Wie würde mein perfekter Arbeitsalltag aussehen? Und den Beruf nach Werten auszusuchen, und sich Schritt für Schritt zu entwickeln. Für mich ist beispielsweise Freiheit und Abwechslung super wichtig und dadurch kam eins zum anderen.

 

Interview: Dieu Linh Nguyen Xuan

Bilder: Christine Neder

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