VALENTIN VORAUS

vor 1 Monat

Über die sonderbar schöne Geschichte der Newcomer Elektro-Musikerin, Unternehmerin und Mutter Hannah Valentin.

Valentin ist ein Freigeist und das bereits seit ihrer Kindheit in Heidelberg. Dabei hatte es die heute in Berlin lebende Elektro-Newcomerin ganz und gar nicht einfach: Als Teenager erhielt sie die Diagnose, unter Multiple Sklerose zu leiden. 15 Jahre lang lief sie mit diesem Geheimnis durchs Leben bis ihr die Kunst, die Geburt ihrer mittlerweile eineinhalb-jährigen Tochter und auch ihr Mann halfen, sich von der Last zu befreien. Letzte Woche ist ihre neue Single Britney erschien, in der die 30-jährige Künstlerin häusliche Gewalt thematisiert. Am 26. Juli wird sie als Support-Act von MIA auftreten. Fräulein Magazin fotografierte die Musikerin mit Fotograf Luca Vincenzo in ihrem Berliner Kiez Kreuzberg und sprach mit ihr über einprägsame Berlin-Erlebnisse, über Frauen in der Elektro-Szene und Superheldenkräfte.

Hi Hannah. Ich würde gern mit 9 kurzen Fragen starten, die du ganz spontan und so kurz du willst beantworten kannst. Bist du bereit?

Hannah Valentin: Ok, ja.

Drei Worte, die Berlin beschreiben.

Freiheit, Nachtleben, Weite.

Die meist unterschätze Droge?

Zucker (lacht).

Was ist das Berghain nicht?

Ich finde die Berghain-Tür-Politik mittlerweile wirklich grenzwertig. Ich hätte allerdings auch keine bessere Lösung, deshalb fällt mir die Antwort echt schwer. Ich kenne das ganze Prozedere von unserer Schnaps-Firma: Es geht letztendlich immer um die Platzierung eines Produkts auf dem Markt. Aus diesem Grund musst du eben auch schauen, wer deine Zielgruppe ist und wen du abweisen musst. Beim Berghain aber handelt es sich da um Menschen, deren Abend durch eine Abweisung ruiniert wird. Soll man daher an der generellen Einstellung der Menschen arbeiten? Oder ist es der Club oder die Intitution oder die Stadt, die die Intitution fördert oder nicht? Wirklich ein sehr schwieriges Thema.

Deine größte Schwäche?

Zucker.

Der beste Song aller Zeiten?

…ist für mich immer noch die Mondschein-Sonate.

Der beste Film aller Zeiten?

Wow, das sind echt schwierige Fragen (lacht). A most violent year mag ich gern – aber ist das der beste Film aller Zeiten? Keine Ahnung, ich nehme ihn einfach mal.

Wenn du dir eine Superhelden-Kraft aussuchen könntest, welche wäre das?

Ich bin doch schon ein Superheld (lacht). Ich glaube, ich würde gern fliegen.

Drei Sachen, die du an Grimes magst?

Oh, ich liebe Grimes. Ich liebe, dass sie lispelt. Ich liebe, dass sie singt, obwohl sie keine Töne treffen kann. Und ich mag ihren Vibe auf der Bühne, wenn sie zu ihrer eigenen Musik abgeht. Man merkt einfach, dass sie das alles richtig tief fühlt.

Was bedeute Autonomie für dich?

Sich selbst zu kennen und sowohl seine Stärken als auch seine Schwächen zu nutzen.

Du bist in Heidelberg aufgewachsen. Was sind deine schönsten Erinnerungen an deine Kindheit?

Ich bin generell jemand, der sich nicht so gut erinnert (lacht), keine Ahnung woran das liegt. Da bin ich ganz anders als beispielsweise meine Schwester. Was ich in guter Erinnerung habe, ist unser Aufwachsen in Selbstständigkeit, das beschreibt auch ganz gut meine Kindheit und meine Erziehung. In Heidelberg war das alles möglich damals. Ich habe sogar immer geglaubt, dass ich bereits zur Grundschule ganz allein gelaufen bin. Mein Vater erzählte mir dann aber später, dass er uns zwar alleine hat laufen lassen aber immer zehn Meter hinter uns gegangen ist. Das haben wir natürlich gar nicht mitbekommen als Kinder, hatten dadurch aber auch immer ein größeres Selbstbewusstsein. Das war sehr prägend für meinen Lebenslauf.

Deine Eltern sind auch Musiker, wie hat dich das geprägt?

Ich bin nie zu einer Musikschule gegangen, um dort ein Instrument zu lernen. Alles blieb in der Familie, mein Vater war mein Lehrer. Es war schon eine sehr spezielle Situation. Dadurch habe ich viel gelernt, ich arbeite bis heute immer mit Menschen, die mir nah sind. Meine Firma habe ich mit meinem Mann gegründet, wir haben ein Kind und machen alles zusammen. Das ist genau das Leben, wie ich mir es vorstelle und wie ich es von früher gewohnt bin.

Wann bist du nach Berlin gezogen?

Das war 2010.

In welchen Stadtteil?

Kreuzberg. Dort lebe ich bis heute, immer noch in der gleichen Wohnung.

Erinnerst du dich an deine erste „Berlin-Erfahrung“?

 Ja, das war ziemlich verrückt. Ich hatte damals ein Vorstellungsgespräch und sollte bei einem Freund in Kreuzberg wohnen. Es war Winter und verdammt kalt. Ich war noch super jung, eine frische Abiturientin. Ich kam also an und stand vor seiner Tür, doch leider machte mir niemand auf. Er hatte mich vergessen. Dann kam plötzlich eine Frau mit einer Wodka-Flasche in der einen Hand und einem Kinderwagen in der anderen. Sie war ziemlich krass drauf und steuerte direkt auf die Haustür zu. Das fand ich gar nicht cool aber dann sprach sie mich super freundlich an und fragte mich, was ich hier mache und ob es ein Problem gäbe. Nachdem ich ihr erzählte, was los war, bat sie mir sofort ihre Couch an. Sie war so nett, dass ich mir sagte: Wenn ich hier genommen werde, dann möchte ich nach Kreuzberg. Beides wurde dann zur Realität.

Wann hast du erste Mal eine Klarinette in der Hand gehabt?

So ungefähr mit acht Jahren. Mein Vater konnte eigentlich alle Holzblasinstrumente spielen und gab regelmäßig Unterricht. Also standen diese bei uns zu Hause auch immer herum.

Was gefällt dir so an der Klarinette, die du bis heute für deine Musik verwendest?

Ich finde den Klang der Klarinette wunderschön. Ich spiele die B-Klarinette, sprich die Standard-Klarinette. Es gibt auch noch eine Bass-Klarinette, die meiner Meinung nach noch schöner ist, weil sie einen so weichen, tiefen Klang hat. Der Sound der Klarinette ist einfach ganz anders als beispielsweise von einer Querflöte, er löst in mir bis heute ein Heimats-Gefühl aus.

Welche anderen Instrumente hast du ausprobiert?

Meine Mutter ist Pianistin und Sängerin, der Flügel war quasi immer in unserer Wohnung und ist er jetzt bei mir zu Hause auch. Aber ich habe einfach überhaupt keinen Bezug dazu. Ich kann natürlich so ein bisschen spielen, aber ich fühle nichts wenn ich am Klavier sitze.

Was war die Musik deiner Teenager-Jahre?

Da meine Eltern musikalisch sehr klassisch unterwegs gewesen sind, war ich das anfangs auch. Ich habe auch Ballet getanzt. Dann aber entdeckte ich für mich den Hip Hop, besonders mit Heidelberg als Geburtsstadt von Torch. In dieser Szene des deutschen Hip Hops war ich dann extrem viel unterwegs. Als ich nach Berlin zog, kam dann die Elektro-Musik dazu.

Gibt es Musikikonen aus deiner Jugend?

Ja. Torch, Cora E. Aber davor, in meiner Teenagerphase, natürlich auch Britney Spears.

Wow. Erinnerst du dich an deinen Lieblingssong von Britney?

Ich kann mich daran erinnern, dass ich auf Bühnen immer Uups, I did it again performt habe, da mussten die Erwachsenen immer so lachen, weil ich gar kein Wort englisch sprechen konnte.

Wie würdest du heute deine eigene Musik beschreiben?

Drums sind hart – das ist mir immer wichtig. Meinem Produzenten sage ich immer: Ich will, dass es peitscht. Ich will, dass es knallt. Ich mache Pop Musik aber gleichzeitig auch Techno, weil meine Musik so hart und stringent ist. Das ganze mixe ich sozusagen mit meinem Leben mit der Klarinette und meinem Einfluss des deutschen Hip Hops bzw. der deutschen Lyrics. Meine Musik spiegelt alles wider, was ich bis jetzt erlebt habe.

Deine Musik wurde auch schon mit Kraftwerk verglichen. Hat Kraftwerk einen musikalischen Einfluss auf dich?

Tatsächlich gar nicht. Ich könnte dir spontan nicht einmal einen Track von Kraftwerk nennen, den ich wirklich kenne. Ich finde Kraftwerk total toll, war aber nie ein richtiger Kraftwerk-Hörer. Vielleicht werde ich das ja aber auch noch.

Autonomie spielt für dich eine große Rolle. Arbeitest du an deiner Musik ausschließlich allein?

Ja. Ich habe allerdings einen regelmäßigen Austausch mit meinem Mann und spiele ihm auch oft Anfänge vor. Aber im Prinzip mache ich die Musik alleine.

Welche Vor- und Nachteile hat das für dich?

Ich musste mich einfach solange verbiegen, weil ich immer etwas im Kopf hatte, das ich hören wollte, es aber nie gekriegt habe. Umso glücklicher war ich, als mir mein Mann die Ableton Software gezeigt hat und mich ermutigte, sie selber auszuprobieren. Ich war zuvor immer unglücklich mit meinen Kollaborationen mit Produzenten und konnte mich nie richtig ausdrücken. Mittlerweile haben mich natürlich viele gefragt, ob wir etwas zusammen im Studio aufnehmen aber das riesige innerliche Bedürfnis habe ich nicht. Ich habe eben etwas in mir drinnen und das will raus.

Glaubst du, dass Software-Programme wie Ableton eine künstlerische Revolution ausgelöst haben?

Absolut. Es ist ein Fluch und Segen zugleich, wie auch Youtube. Jeder kann sein Zeug hochladen, aber die Frage ist, was du daraus machst. Dir ist die Möglichkeit zumindest gegeben, auch wenn du nur wenig Geld hast. Das ist auf jeden Fall revolutionär und künstlerisch befreiend, auch für Frauen hoffentlich, die sich das zutrauen.

Du hast auch mal den Trend angesprochen, dass Frauen in der Elektro-Szene wenig gefragt sind oder lediglich ihre Stimme für Produktionen verwendet wird. Hat sich das in den letzten Jahren deiner Meinung nach etwas geändert?

Nun, Berlin ist halt immer eine Blase. Hier ist vieles schon sehr viel weiter als in anderen Teilen von Deutschland. Dort gibt es noch sehr viel Raum für Frauen. Es gibt zwar viele Initiativen, trotzdem fördern diese aber oftmals nur Stigmatisierungen im Sinne von „diesen Frauen wird geholfen, nur weil sie Frauen sind.“ Das ist natürlich katastrophal. Hinzu kommt, dass an den ganz hohen Positionen immer noch Männer sitzen. Man kann das gar nicht verleugnen, weil du ihnen einfach ständig begegnest.

Wie schaut es bei deinem eigenen Team aus? Arbeitest du viel mit Frauen?

Ich arbeite ausschließlich mit Frauen oder Männern aus der Queer-Szene. Es gibt nur einen Hetero-Mann, der Schnitt macht. Das bedeutet wiederum nicht, dass ich etwas gegen Hetero-Männer habe. Allerdings habe ich das Gefühl, dass in vielen Individuen, die eben nicht an diesen hohen Positionen sitzen, so viel Power, so viel Kraft steckt, die man nutzen muss. Es geht den Menschen sonst so viel verloren.

Wie kam es dazu, dass du so viel in der Queer-Szene unterwegs bist und dort auch viel kollaborierst?

Das wurde ich schon oft gefragt, aber eine Antwort habe ich nicht so richtig. Das hat sich einfach natürlich entwickelt. Meine Eltern sind wie gesagt Musiker und die Musikszene ist glaube ich generell sehr viel offener als andere Industrien. Der Haupt-Organist meiner Mutter war zum Beispiel schwul, die Ex-Frau meines Vaters hat eine Frau geheiratet bevor es überhaupt die Homo-Ehe gab. Für mich war all das schon immer selbstverständlich und dafür umso trauriger, dass es das für viele eben nicht ist. Ich will unterstützen, dass diese Gruppe von Menschen die gleichen Rechte wie alle anderen haben. Und irgendwie ziehen wir uns auch an, ich weiß nicht warum.

Durch deinem Stylisten Stiny Stone hat auch die Queer-Szene einen großen Einfluss auf dein Styling. Was möchtest du mit deinen Looks kommunizieren?

Für mich ist es wichtig, mit meiner Musik die Welt zu kommunizieren, die ich sehe. Stiny und ich teilen diese Vision, er teil sie visuell, ich teile sie musikalisch. Er macht Kleider, von denen ich weiß, dass ich sie gut finde. Ich mache Musik, von der er weiß, dass er sie gut findet. Wir verstehen uns einfach auf künstlerischer Ebene.

Wie wichtig ist dir Mode in deinem Leben?

Ich vermeide es eigentlich immer zu erzählen, aber ich habe früher Modemanagement studiert, nicht unbedingt aus einer klassischen Fashion-Motivation heraus, sondern – frisch vom Abitur kommend – mit dem Willen, die Welt zu verbessern und Produktionsbedingungen auch in Dritte Welt Ländern zu verbessern. Generell aber sehe ich Mode und Musik nie getrennt, vielleicht weil ich es von meiner Mutter noch kenne und ihren Looks, die sie für Konzerte getragen hat.

Warum hast du damals deinen Modemanagement-Weg nicht weiterverfolgt?

Ich habe das Studium beendet, obwohl ich glaube, dass die Kreativität ausschließlich aus dir heraus kommt und nicht von irgend einem Lehrer. Ich würde beispielsweise auch niemandem einen Ableton-Kurs empfehlen, man sollte die Software selber für sich entdecken und ausprobieren. Sonst baust du, finde ich, immer nur nach.

Du hast 2015 eine Kunstausstellung gemacht, in der du dich auch mit deiner MS-Diagnose beschäftigt hast. Du schreibst im Rahmen dessen, dass Kommunikation dein Kapital ist, weil Kommunikation für dich nicht mehr selbstverständlich ist. Was genau meinst du damit?

Ich habe meine MS-Diagnose sehr früh bekommen und auch zu einer beschissenen Zeit, mitten in meiner Pubertät. In dieser Zeit schämt man sich ja noch extremer für Sachen, die nach außen hin nicht perfekt erscheinen. Die MS stand für mich immer für die Kommunikation innerhalb des Körpers, der biologische Hintergrund der Krankheit ist vereinfacht ausgedrückt eine gestörte Kommunikation – Informationen vom Gehirn werden vom Körper nicht mehr so umgesetzt wie normal. Das habe ich dann übertragen auf die menschliche Kommunikation: In den 15 Jahren meiner Krankheit habe ich so viel über Kommunikation gelernt, auch innerlich, womit sich viele vielleicht gar nicht auseinandersetzen müssen.

Du hast im Rahmen der Gala der DMSG (Deutsche Multiple Sklerose Gesellschaft) einen Preis für dein eingereichtes Video über eine Krankheit und dein Leben mit MS erhalten und dich dann auch entschieden, dein Pseudonym abzulegen. Wie kam es dazu?

Das war ein super langer Prozess. 15 Jahre, bis heute also die Hälfte meines Leben, bin ich mit meiner Krankheit mit Scham durch die Welt gelaufen. Ich habe immer gedacht, dass ich es niemanden erzählen kann, weil ich dachte es würde bedeuten, keinen Erfolg, keinen Job, keinen Mann zu haben, der mit dir ein Kind möchte. Ich bin durch diverse Phasen gegangen, mit Depressionen hatte ich das komplette Paket. Dadurch war ich aber auch irgend wann viel mehr gesettelt. Besonders ausgelöst durch die Geburt meiner Tochter, habe ich dann noch mal hinterfragt, warum ich niemanden von meiner Krankheit erzähle. Es ist da immer noch diese Narbe aus meiner Pubertät, dieser Gedanke ‚Es soll niemand davon wissen, weil du dich dafür schäms’. Hinzu kam, das man damals auch sehr wenig über die Krankheit gesprochen hat, heute ist das ja wirklich ganz anders. Irgendwann fragte ich mich, warum ich nicht einfach ins kalte Wasser springe und das Vorbild bin, wenn es kein anderer ist. Es musste einfach raus und seitdem fühle ich mich sehr viel besser.

Was oder wer hat dir vorrangig geholfen, mit deiner Krankheit besser umzugehen?

Sowohl meine Tochter als auch mein Mann, denn er meine Diagnose ernst genommen aber gleichzeitig auch relativiert. Indem er zu mir gesagt hat, dass jeder sein Päckchen trägt und MS nichts ist, wofür man sich schämen muss, hat er mir extrem geholfen. Das Problem bei MS ist, dass der Verlauf so unterschiedlich ist. Wenn du die Krankheit googelst, stößt du zuerst auf einen Rollstuhl. Genau deshalb möchte ich auch aufklären, dass MS eben nicht zwangsläufig bedeutet, dass man im Rollstuhl landet.

Hat deine Tochter deine Perspektive aufs Leben verändert?

Ja, als Mutter hast du natürlich ganz andere Prioritäten. Familie war für mich schon immer von höchster Priorität, im freien Sinne, ohne dass ich mich gezwungen fühlte, an jedem Feiertag zu Hause zu sein. Ich hatte immer ein großes Urvertrauen – dass ich eine Familie habe, die mich liebt und die ich auch liebe. Durch die Geburt meiner Tochter wurde dieses Urvertrauen noch viel größer. Jeder, der mich gut kennt und mit mir wirklich befreundet ist, weiß, dass er mich fast immer mit meiner Familie oder bei der Arbeit sieht. Mich fragen viele Leute, wie ich das alles mache – Mutter sein, eine Firma haben, Musik machen etc. Ich antworte dann immer: ‚Was glaubt ihr, was ich alles nicht mache?’ Ich gehe nicht spontan am Nachmittag mit einer Freundin einen Kaffee trinken oder abends ins Kino. Trotzdem bin ich total glücklich damit, weil ich einfach gemerkt habe, was mir Energie gibt. Und das sind meine Familie und meine Arbeit.

Glaubst du, dass gesunde Menschen in unserem modernen Gesellschaftskonstrukt unfähiger geworden sind zu kommunizieren?

Ich bin generell gegen ‚irgendetwas ist besser oder schlechter als früher’, denn Dinge verändern sich eben. Wir kommunizieren heute anders und haben eine andere Aufmerksamkeitsspanne. Klar nervt es mich, wenn andere sagen, ich muss mit meiner Arbeit auf Instagram aktiver sein, damit die Leute „dran bleiben“ – früher war und blieb man ein Fan. Das hat sich natürlich stark verändert, es reflektiert unsere Zeit. Dieser Konflikt startet bei mir schon mit meiner Tochter: Lasse ich sie an meinem Handy schauen oder bin ich streng und nehme es ihr weg? Wir leben aber nun mal im Alter der Digitalisierung, warum sollte ich es ihr daher verbieten? Ich denke, ein gesundes Mittelmaß ist da wichtig, auch im Sinne der Kommunikation. Man hat ja während Corona-Quarantäne gemerkt, wie sehr man sich freut, andere Menschen zu sehen und face-to-face zu sprechen. Man kann die zwischenmenschliche Kommunikation eben nicht mit digitaler ersetzen, aber es gehört trotzdem dazu. Und das ist auch gut so, denn sie eröffnet uns so viele Möglichkeiten.

Du arbeitest auch an einer EP, die im Winter erscheinen wird. Was wird uns da erwarten?

Uuuuuh. Die wird ein Kracher. Darf man das überhaupt so über sich selbst sagen?

Na klar. Jetzt sind unsere Erwartungen so richtig hoch.

(lacht) Für mich wird sie definitiv ein Kracher. Auf der EP sind genau die Themen, die mich beschäftigen, auf den Punkt gebracht. Es wird vor der EP noch zwei Singles geben, die auch noch mal genau meinen Geschmack widerspiegeln – Songs, die ich im Club hören will.

 

FOTOS: Luca Vincenzo

INTERVIEW & EDITOR: Sina Braetz

STYLING UND FASHION: Stinny Stone

HAARE & MAKEUP: Cory Unders

MANAGEMENT: Amanda Najem

SPECIAL THANKS TO: Farina Pieper

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