Who is afraid of Vaginas

vor 4 Jahren

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„Shout out to the uteruses-the original 3-D Printers“ – so lautet ein gängiges Meme in den Weiten des Internets. Vielleicht hat sich die japanische Künstlerin Megumi Igarashi von dieser genialen Erkenntnis zu ihrem aktuellen Kunstprojekt inspirieren lassen. Eine zwei Meter große Skulptur einer Vagina, mit dem Titel „Pussy Boat“, kreierte ein 3-D- Drucker für ihre Kunst.

Angesichts der phänomenalen Größe einer zwei Meter großen Vagina mag so mancher eingeschüchtert sein. Harmlos eigentlich, handelt es sich bei der Skulptur doch um ein Kunstprojekt. Der japanische Staat  zeigt sich wenig kunstinteressiert und reagierte mit restriktiven Maßnahmen. Nun muss die junge Künstlerin 400,000 yen (umgerechnet mehr als 3200 Euro) Strafe zahlen. Die Vagina ist ein Leitmotiv für ihrer Kunst. Die quirlige Künstlerin wünscht sich mehr Akzeptanz und Anerkennung für das weibliche Geschlecht.

Schon in der Moderne erregte die Darstellung einer Vagina für Furore. Der Franzose Gustave Courbet wagte eine naturgetreue Abbildung des weiblichen Geschlechts mit „L’origine du Monde“ (deutsch: der Ursprung der Welt) und das auch noch in sehr expliziter Perspektive. Frühere Abbildungen vom weiblichen Geschlechtsteil sind rar in der westlichen Kunstgeschichte. Seit der Antike und später in der Renaissance war Nacktheit ein gern gezeigtes Bildsujet. Statt der anatomischen Nachbildung einer Vagina findet sich dort nur glatte Oberfläche. Realistische Abbildungen von Frauen  auf der Leinwand oder als Skulptur, fassen fein-gliedrige Details von Kopfhaaren und selbst authentische Nachahmung von Hautfasern – doch der Geschlechtsbereich wurde einfach übergangen. Eine weitere Bildform der (Ent- und gleichzeitigen) Sexualisierung nennt man „Venus Pudica“. Dieser Begriff aus der Kunsthistorik beschreibt eine klassische Bildfigur der Ikonographie der westlichen Kunst. Als populärstes Beispiel hierfür zählt die grazile und unschuldige „Geburt der Venus“ von Botticelli.

Komisch daran ist jedoch, dass Frauen für das (eindimensionale) Verlangen (heterosexueller) Männer gemalt wurden, gleichzeitig sexualisiert und doch jungfräulich illustriert wurden. Reizvoll sind die weiblichen Objekte nach diesem eindimensionalen Blick nur, sofern sie „unschuldig“ und „unberührt“ sind. Ähnlich wie unsere Protagonisten aus den japanischen Anime. Meine ersten Begegnungen mit der japanischen Kulturindustrie spielten sich vorrangig auf dem Flimmern des Fernsehers ab. Amüsiert von fetten Peinlichkeitsblasen bei Sailor Moon und beeindruckt von Mila’s dynamischer Sportlichkeit auf dem Volleyballfeld (Mila Superstar), gehörten beide Animefiguren zu meinen liebsten Heldinnen im Fernsehen. Verfällt man heutzutage in nostalgische Momente und lässt die damaligen Szenen Revue passieren, fallen einem doch manche obskure Bilder ein. Bunny und Co sind nämlich nicht nur blutjung, sondern erinnern in vielen Momenten einem Schulmädchenfetisch. Anime und Manga jedoch ganz und gar als sexistisch abzustempeln funktioniert auch nicht. Achtung Nerdwissen: Lesbische Beziehungen  (zwischen Sailor Uranus und Sailor Neptun) tauchen in Sailor Moon beispielsweise auch auf, was angesichts der Diskriminierung von Homosexualität in Japan doch sehr löblich ist.

Im 21. Jahrhundert scheint es doch skurril, dass ein sogenanntes „Pussy Boat“ für Furore sorgt. So wirkt die Empörung des japanischen Staats wegen Megumi Igarashi’s „Pussy Boat“ höchst übertrieben. Die artistische Visualisierung einer Vagina mag wohl auch in anderen Regionen ihre Wellen der Entrüstung schlagen. Ob das ganze ästhetisch gefällt ist eine andere Frage. Igarashi’s Wunsch den Menschen, die Angst vor Vaginas zu nehmen, ist doch ein ehrenwertes Vorhaben und beweist eine gute Portion an Humor. Wir hoffen es gelingt!

 Bild 1: Gif via Tumblr
Bild 2: Sandro Botticelli: Die Geburt der Venus, ca. 1485/86, Uffizien, Florenz, Italien
Bild 3: Gustav Courbet: Der Ursprung der Welt, 1866, Musée d’Orsay, Paris, Frankreich
Bild 4: Still aus Sailor Moon
Bild 5: Still aus Sailor Moon
Bild 6.: Still von Youtube  

Beitrag: Samira Ghoualmia

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