Schon wieder Germany’s next Topmodel

vor 2 Monaten

Die Frage bleibt: Warum?

Ja, es ist mal wieder so weit. In Deutschland herrscht noch klirrende Kälte und Pro 7 entzückt mal wieder mit einem Haufen halbnackter Mädchen, die am Strand in Bikinis herumhüpfen. Die Frage bleibt jedoch wie bei jeder neuen Staffel die Gleiche: Warum?

In den letzten Jahren wurden die Kandidatinnen von Germanys next Topmodel weniger als erfolgreiche Models, sondern vermehrt als Influenterinnen auf Instagram bekannt. So zum Beispiel auch die Gewinnerin vom letzten Jahr, Toni Dreher. Sie hat derzeit 182k Instagram-Follower, kann aber bis auf ein paar nationale Runways nicht wirklich viele Model-Jobs verbuchen. Dies mag auch am Modelvertrag mit One Eins Fab liegen, den alle Teilnehmerinnen der Top 15 unterschreiben müssen. Alisar Ailabouni, Jana Beller und Neele Hehemann sind nur drei der Kandidatinnen, die die Agentur „ONEeins Management“ verlassen haben. Die Agentur geführt von Günther Klumm, Heidis Vater, machte in den letzten Jahren eher durchwachsene Schlagzeilen. Nicht zuletzt auch weil sich einige Kandidatinnen aus dem Vertrag klagen wollten. Jana Beller zum Beispiel, die in einem Interview 2011 mit „Welt“ sagt: „Fakt ist: Ich habe bereits am 19. Juli meinen Vetrag mit One-eins über meinen Anwalt gekündigt.“

Ein Blick auf die Referenzseite von One Eins Fab zeigt, dass es bei internationalen Kunden im Modebereich eher mager aussieht. Mädchen, die ihr eigenes Ding in anderen Agenturen starteten, können da durchaus mehr erfolgreiche Jobs verbuchen. So in etwa auch eine der wohl erfolgreichsten, aber wohl auch unbekannteren Allumni der Show: Vanessa Hegelmeier. 2008 ist sie Teilnehmerin der dritten Staffel der Show, entscheidet sich aber nach einer Gehirnerschütterung freiwillig zu gehen. Als Model arbeitet sie dennoch weiter, wird kurz daraufhin bei Place Models unter Vertrag genommen und lief unter anderem bei den Shows von Missoni, Louis Vuitton und Celine.

Eine der wohl größten Fragen der Show, ob GNTM die Kandidatinnen denn wirklich auch auf den Alltag als Model vorbereitet, bleibt offen. Challenges wie ein Shoot mit Starfotograf Rankin, bei dem die Models auf einem fahrenden Autoanhänger halbnackt in einem Bett mit Männermodel posieren müssen, lassen an der Sinnhaftigkeit zweifeln. Was Heidi Klum und ihre Produzenten damit jedoch schaffen, ist nicht nur der Presse und den Paparazzi in Los Angeles genug Material zu geben, sondern auch dem Fernsehpublikum ordentlich Zündstoff hinzuknallen, um für Aufmerksamkeit zu sorgen. Wie realistisch das ganze dann tatsächlich für die wahre Modelkarriere ist, sei dahingestellt. Aber eins ist klar: nackte Haut, Sex und hübsche Mädchen verkaufen sich gut. Das meint auch Dragqueen Jurassica Parka, die bis letztes Jahr noch wöchentlich in die Berliner Kneipe „Rauschgold“ zum gemeinsamen Public Viewing geladen hat. Zwar gibt es das Topmodel schauen dieses Jahr nicht mehr, wer aber trotzdem einen kleinen Eindruck davon bekommen möchte: Von fast alle Folgen findet sich eine Nachlese der Dragqueen auf Youtube.

 

Das Konzept der Sendung bleibt also erhalten. Es wird wenig neues ausprobiert, um dem ganzen wieder etwas mehr Würze zu verleihen. Der „Team-Wettkampf“ zwischen den zwei Juroren kann wohl ebenso wenig als Erneuerung verbucht werden. Und auch das Teilnehmen zweier Transgender-Models 2016 kann nicht als Zeichen gewertet werden, die Show wäre im Jetzt angekommen. Erst im Jahr zuvor schickte Heidi eines ihrer Top 50 Models nach Hause, das früher ein Mann war.

Warum bei Germanys next Topmodel auch nach fast 14 Jahren Show immer noch vieles verändert bleibt, ist unklar. Von #metoo bis Schmollmund-Influencer: Die Welt 2019 ist nicht mehr die Welt von 2005.  Sinkende Zuschauerzahlen, mäßig erfolgreiche Kandidaten und keine Neuerungen überschatten die Show schon seit längerem. Ob Klum und ihre Produzenten es dieses Jahr schaffen mit der Sendung die Kurve zu kriegen und ein Topmodel zu finden, dass erfolgreich durchstarten wird, bleibt abzuwarten. Schlussendlich bleibt die Show nunmal auch ein Unterhaltungsformat, dass man nicht immer allzu ernst nehmen sollte.

 

Text: Niklas van Schwarzdorn
Bild: Youtube.com/GNTMofficiell 

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