Selbstoptimierung durch Microdosing

vor 5 Monaten

LSD soll dabei helfen kreativer, erfolgreicher und glücklicher zu werden.

Acid, Pappe, Teil – LSD hat viele Namen. Heilmittel war bisher aber nichts davon. Das Halluzinogen, das vor allem in der Partyszene große Beliebtheit erlangt hat, soll sich in geringen Mengen positiv auf die Gesundheit auswirken. „Microdosing“ nennt sich diese neue Form der Selbstoptimierung und wird tatsächlich als Alternative zur herkömmlichen Behandlung von Depression in Betracht gezogen.

Für einen richtigen Trip, bei dem man halluziniert und die Sinne verrückt spielen, reichen bereits 50 bis 100 Mikrogramm an LSD aus. Als „Microdoser“ nimmt man eine weitaus geringere Menge, etwa ein Zehntel oder Zwanzigstel der illegalen Droge, ein. Sie versprechen sich davon einen positiven Effekt auf die sowohl physische als auch psychische Gesundheit.

Noch sind die Effekte des Microdosings nicht wirklich erfasst. Die US-Forscher James Fadiman und Sophia Korb präsentierten 2017 jedoch die Ergebnisse ihrer weltweiten Studie zum Thema. Für diese hatten sie mit über 1500 Freiwilligen aus 59 Ländern zusammengearbeitet, sie einen Monat lang alle drei bis vier Tage microdosen und einen täglichen Fragebogen ausfüllen lassen. Sie erfassten damit, wie sich die Probanden selbst und ihre Gesundheit im Laufe des Versuches wahrnahmen. Und tatsächlich: Das Microdosing soll einer Vielzahl der Probanden geholfen haben, Symptome von Depression und negativem Verhalten wie Prokrastination zu reduzieren. Viele hätten außerdem besser geschlafen und Patienten mit chronischen Schmerzen diese besser ausgehalten. Einige hatten zudem beobachtet, dass sie sich gesünder ernährten.

Was so positiv klingt, birgt aber auch Risiken. Es wurde bisher nicht nachgewiesen, dass es keine Nebenwirkungen gibt, die selbst mit den Niedrigdosen auftreten können. Bei Fadimans und Korbs Studie gab es zum Beispiel zwei Ausnahmen, bei denen schon einmal keine positiven Effekte erkannt werden konnten: Menschen mit Angststörungen hatten beschrieben, dass sich diese verschlimmerten. Probanden mit Sehschwächen erlebten zusätzliche visuelle Störungen.

Aktuell erforschen Mediziner, Neurologen und Psychologen in der Schweiz, inwiefern LSD zur Behandlung von Depressionen herangezogen werden kann. Undine Lang, Klinikdirektorin der Erwachsenenpsychiatrie der Universität Basel erklärte Focus Online gegenüber, dass einer der wesentlichen Vorteile von LSD die schnelle Wirkung und Steigerung der Empathiefähigkeit sei. Durch LSD könne man die Psychotherapie wirksamer machen oder sogar erst ermöglichen. Welche Dosierungsmenge jedoch die „richtige“ ist, könne man bisher noch nicht sagen. In welcher Form das LSD verabreicht werden könnte, müsse ebenfalls noch ermittelt werden.

Microdosing – Heilmittel oder doch nur homöopathisches Placebo? Sicherlich erzeugt Microdosing beim Konsumenten gewisse Effekte. Bis jedoch nicht genauestens erforscht ist, wie sich das LSD auf den Körper und die Psyche auswirkt, sollte man vielleicht lieber die Finger von einer eigenständigen Behandlung mit der illegalen Droge lassen.

 

Text: Aylin Yavuz
Bild: Unsplash

 

Verwandte Artikel