Filmstart: „The Killing of a Sacred Deer“

vor 3 Wochen

Ein Film für alle, die den Festtagsfrieden herausfordern möchten.

Der preisgekrönte griechische Regisseur Giorgos Lanthimos hat ein einzigartiges Händchen dafür, alternative Realitäten auferstehen zu lassen: Räume, Menschen und Dialoge, die unseren extrem ähneln, in sich geschlossen perfekten Sinn ergeben, aber im unterschwellig bis demonstrativ absurden Moment ihre zwiespältige Faszinationskraft entfalten.

Sein letzter Film „The Lobster“ (2015) war sowohl visuell als auch erzählerisch ein brillianter Kommentar zum gegenwärtigen Pärchenkult und gewann unter anderem den Jury Prize in Cannes. Dass „The Killing of a Sacred Deer“ die Serie an bizarren Kosmen nicht nur weiterführt, sondern im Vergleich zum Vorgängerfilm das Element des schwarzen Humors drosselt und das des Horrors umso mehr intensiviert, prophezeit bereits der Trailer – und wer von dessen eigentümlich aufgeladenen Stimmung schon eingenommen ist, sollte seine Neugier auf jeden Fall stillen gehen.

Die Verdammung und Verheerung in „The Killing of a Sacred Deer“ wird bereits in den ersten Spielminuten als allgegenwärtig etabliert und führt den Zuschauer schließlich gnadenlos zum unabwendbaren Schicksal der Hauptcharaktere. Aus beunruhigenden bis voyeuristischen Kameraeinstellungen und unterlegt mit klassischer Musik bis atonalem Lärm reiht der Film eine offene Brusthöhle mit freiem Blick auf ein pochendes, menschliches Herz an Referenzen über den Gottkomplex aus „Täglich grüßt das Murmeltier“, den griechischen Mythos von Iphigenie an angemessen blutige Opfergaben im modernen Wohnzimmer, formalen Smalltalk über die Klavierstunden des Sohnes an formalen Smalltalk über die Menstruationsblutung der Tochter.

„The Killing of a Sacred Deer“ ist ab heute in den deutschen Kinos zu sehen. Ein Film für alle, die den Festtagsfrieden herausfordern möchten.

Text: Dieu Linh Nguyen Xuan

Bilder: PR

 

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