Kommentar: Über den Sinn und Unsinn von Detox

vor 7 Monaten

Es ist Jahresanfang und die guten Vorsätze sind frisch. Mein Motto für 2018 lautet: No Bullshit! Das ist kurz und knapp und lässt sich ganz gut merken.

Nie wieder Bullshit-Beziehungen, Bullshit-Jobs und kein Bullshit in meinen Körper. Mit Letzterem möchte ich sofort beginnen. Ich fühle mich von der Gans und den vielen Plätzchen nicht nur ein paar Kilo schwerer, sondern bin von den permanenten Alkoholeinlagen an den Feiertagen müde und unmotiviert. Während ich also am ersten Arbeitstag des Jahres wie ein Schluck Wasser vor dem Bildschirm hänge, kommt mir immer dieses „Detox“ in den Sinn. Mal so richtig entgiften, den Körper leeren, um auch so wirklich ganz von vorne zu beginnen.

Alles Scharlatanerie?

In den Geschäften und Online findet man teure Detox-Säfte, Detox-Patches, Detox-Tabletten oder Detox-Cremes um den Körper zu entgiften. Früher hieß das Heilfasten, lässt sich aber nicht mehr so gut vermarkten. Also sagen wir jetzt Detox – Hollywood sei Dank. Von dubiosen Produkten und fehlenden wissenschaftlichen Belegen mal abgesehen, ist so eine Kur, die meistens aus verschiedenen Gemüsesäften, weder Kaffee noch Fleisch dafür viel lauwarmes Wasser, dazu Yoga oder Pilates nicht per se schlecht, aber dabei von einer Entgiftung zu sprechen ist schlichtweg Humbug. Wären wir vergiftet, würden wahrscheinlich sterben. In der Regel funktionieren Niere, Leber, Lunge und Haut aber ganz gut und neutralisieren Gifte innerhalb weniger Stunden. Mal inne zu halten, den Morgengruß zu praktizieren oder ein Saunagang tun dem Körper mit Sicherheit gut, aber das man dabei irgendwelche Schlacke ausschwitzt ist wissenschaftlich völlig unbelegt. Und wenn auf irgendeinem Patch, welches man sich an die Fußsohlen klebt, etwas braun wird, dann nur, weil dort eine Substanz zugegeben wird, die sich in Kombination mit Schweiß verfärbt, lese ich in der Süddeutschen.

Meinem Körper ist Detox total egal.

Mein Körper spricht zu mir und das an jedem Tag. Wenn ich zu viel Alkohol getrunken habe brauche ich viel Wasser, wenn ich zu viel gegessen habe brauche ich Bewegung, wenn ich Stress habe brauche ich Schlaf und Ruhe. Das heißt ich habe in der Regel ein ganz natürliches Meldesystem, das mir signalisiert was zu tun ist. Ich muss nur lernen auf meinen Körper zu hören. Woran Diäten appellieren ist unser schlechtes Gewissen, sie geben uns einen Plan vor, der uns das Geld aus dem Portemonnaie zieht, wir es aber für sinnvoll investiert erachten, da sich unser manipuliertes Gewissen für kurze Zeit beruhigt. Dabei ist die Lösung ziemlich unspektakulär und simpel: Eine dauerhafte Umstellung der Ernährung. In dem wir auf eine ausgewogene Ernährung achten, weitestgehend auf Junkfood, Alkohol und Zigaretten verzichten tun wir unserem Körper schon eine Menge Gutes und lassen ihm die Arbeit, für die er auch gedacht ist.

Das einzige Resultat einer Detox-Diät ist nämliche eine kurzfristige Gewichtsreduktion, die sich meistens mit einem ordentlichen Jojo-Effekt recht. Da geht der Teufelskreis erst so richtig los. Solang ich kein ernstzunehmendes Drogenproblem habe – Detox, nein danke.

 

Text: Miriam Galler

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