Der Einfluss europäischer Schönheitsideale

vor 1 Monat

Und wie eine Unternehmerin in Ghana Bleichcremes den Kampf ansagt.

Weltweit gibt es sehr unterschiedliche Schönheitsideale, doch es sind auch Trends und Muster zu erkennen, die sich überall ähneln – meist entsprechen sie dem europäischen Schönheitsideal. Und das hat verheerende Folgen.

In vielen afrikanischen und asiatischen Ländern gibt es einen starken Absatzmarkt für Bleichcremes, Pillen oder kosmetische Eingriffe, die den Menschen versprechen ihre Haut aufzuhellen. Viele Cremes sollen mit Quecksilber und anderen chemischen Stoffen versehen sein, die die Hautfarbe wegätzen. Oft führen diese Anwendungen zu Hautschäden oder Pigmentstörungen, in extremen Fällen zu Nierenversagen, Unfruchtbarkeit und Krebs. Dennoch sollen in manchen westafrikanischen Ländern bis zu 80 % der Frauen ihre Haut bleichen.

Einer der Gründe dafür sind die Nachwirkungen der Kolonialzeit. In vielen afrikanischen Ländern herrscht bis heute die Hierarchie: white, coloured, black. Da Weißsein für Reichtum und Erfolg steht, haben es Menschen mit hellerer Haut einfacher, beruflich erfolgreich zu werden und werden oft als schöner betrachtet. Überall gibt es Werbung für angeblich schonende Hautaufheller. Das Bild der weißen Haut als Ideal herrscht vor und beeinflusst tief. Daran verdienen auch große europäische Kosmetikmarken, die sich auf das Geschäft einlassen.

Aber auch in den USA gibt es ein starkes europäisches Schönheitsideal, dass Afro-Amerikanerinnen vermittelt sie seien nicht schön genug. Betrachtet man berühmte schwarze Frauen, haben diese meist als „europäisch“ wahrgenommene Gesichtszüge und lightskin-Haut. Lange Zeit gab es kaum passende Kosmetik für Frauen mit dunklerer Haut, was auch ein Grund für den heutigen Erfolg von Rihannas Kosmetikmarke Fenty darstellt, die Make-Up für fast jeden erdenklichen Hautton anbietet.

Es gibt jedoch auch Gegenbewegungen: Eine Unternehmerin in Ghana hat den Bleichcremes den Kampf angesagt und ist damit zu einer der erfolgreichsten Unternehmerinnen ihres Heimatlandes geworden. Grace Amey-Obeng bietet Produkte an, die die Haut nach den gefährlichen Bleichanwendungen wieder gesund machen soll und die richtige Hautpflege ohne Aufhellung bietet. In den letzten Jahren wurde mit Entwicklungen, wie #blacklivesmatter das Selbstbewusstsein von jungen Afro-Amerikannerinnen gestärkt und herausgearbeitet, wie sie weiterhin unter Diskriminierung in der amerikanischen Gesellschaft leiden. Natürliches Afro-Haar wird immer beliebter und die afro-amerikanische Szene setzt vor allem durch den HipHop viele Trends.

Allerdings werden auch hier viele Trends erst als schön betrachtet, wenn weiße Frauen sich diese aneignen – siehe Kim Kardashian und Co. Erst als eine Weiße den großen Hintern berühmt gemacht hat, wurde es zu einem westeuropäischen und nordamerikanischen Schönheitsideal.

Die Kolonialzeit in Afrika endete in vielen Ländern in den 60er Jahren. Es ist erschreckend, welche Macht weiße Menschen weiterhin darüber haben, was als schön und wertvoll anerkannt wird oder wie sich afro-amerikanische Kultur oft angeeignet wird, ohne über dessen Hintergründe nachzudenken und Respekt dafür zu zollen. Siehe auch der Ursprung des Großteils unserer heutigen Musik, der vor allem im Blues und Jazz zu finden ist.

Doch auch die „neuen“ Beauty Trends können Druck ausüben und Frauen zu ungesunden und gefährlichen Mitteln greifen lassen, um sich in der entsprechenden Weise ihren Körper umformen zu lassen. Die Beauty- und Werbeindustrien greifen jeden Trend auf, der sich bietet, um Geld zu verdienen – und dabei haben sie weiterhin einen immensen Einfluss auf unsere eigene Körperwahrnehmung. Es lässt sich nur hoffen, dass die heute so oft von Unternehmen propagierte Vielfalt der Schönheit irgendwann tatsächlich Realität wird und die Erkenntnis wächst, dass all die unterschiedlichen Körperformen und Features unabhängig von kulturellen Idealen und Trends ihre eigene Schönheit beinhalten.

 

Text: Stefanie Triebe

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