Fight like a Girl

vor 2 Wochen

Während Männer sich „Fünf geben“ und bei Erfolgen gratulieren, reagieren Frauen auf den Erfolg ihrer Geschlechtsgenossen oft mit hochgezogener Augenbraue und falschem Lächeln. Gerade beruflich verhalten sich Frauen oft unsolidarischer als Männer. Woher kommt die Stutenbissigkeit und was wird dagegen unternommen?

Die Mitarbeiterbewertung am Ende des Jahres stand mal wieder an. Svenja Kamps (Name geändert), Frauenbeauftragte für eine internationale Getränkefirma, bekam eigentlich immer gutes Feedback von ihren Kollegen. Bis letztes Jahr das erste Mal eine Beschwerde eingereicht wurde: Kamps Kleidungsstil sei zu weiblich. Und wer regte sich über die Klamotten der Chefin auf? Eine Frau. Ob die Blusen wirklich zu eng und die Röcke zu kurz waren, sei dahingestellt. Fest steht, ein Mann hätte sich wahrscheinlich gar nicht erst für den Kleidungsstil eines anderen Mannes interessiert, geschweige denn sich darüber eschauffiert. Auch die Frauenbeauftragte der Universitätsklinik Charité Berlin Sabine Jenner meint: „Mit manchen Frauen in Führungspositionen ist es schwierig. Sie fördern kaum Frauen. Da ist keine Offenheit, kein solidarisches Denken.“

Ganz anders ist es unter Männern. Da wird gefördert, gegönnt und vermittelt wie bei einer Partnerbörse. Die Psychologin Alexandra Schwarz-Schilling beschreibt das kollaborative Verhalten der Männer als das „männliche Prinzip“. Das beste Beispiel dafür ist die Befruchtung. Spermien liefern sich gar kein Wettrennen, sondern preschen als Team so lange auf die Eizelle ein, bis einer der Schwimmer durchdringt. Während also beim männlichem Prinzip zielorientiert zusammengearbeitet wird, ist die weiblichen Seite dafür da, dem Ganzen Raum zu geben. Die Eizelle empfängt die Spermien und macht die Befruchtung möglich.

Dabei müssten Frauen schon lange gelernt haben, so solidarisch wie Männer zu arbeiten. Seit der Industrialisierung haben sich Frauen ihren Weg in die Arbeitswelt der Männer erkämpft. Der Erste Weltkrieg gilt als Katalysator der Emanzipation, da damals Frauen die Tätigkeiten von Männern übernahmen und so mehr in die Öffentlichkeit rückten. Sie arbeiteten in der Schwerindustrie, bedienten Maschinen und waren nicht mehr nur als Lehrerin oder Krankenschwester tätig. In den 50er-Jahren schien dieser Fortschritt beinahe vergessen zu sein und Frauen sollten wieder brav an den Herd. 1966 trat dann in Deutschland das erste Gesetz in Kraft, das Frauen erlaubte, neben ihrer Tätigkeit als Mutter auch erwerbstätig zu sein.

Mehr als 40 Jahre später ist der Anteil der Frauen in Führungspositionen bei 31 Prozent, auf der Vorstandsebene bei nur drei Prozent. Das Sinus Institut fand ebenso heraus, dass Männer wesentlich schneller Karrierestufen durchlaufen, als Frauen. Vielleicht kommt daher das falsche Lächeln einer Frau, wenn sie den Erfolg einer anderen bemerkt. Dieser ist nämlich alles andere als selbstverständlich. Gerade durch das Rudelverhalten der Männer stehen Frauen oft als Einzelkämpferinnen da und versuchen sich gegen diese Dominanz zu beweisen. Häufig führt das dazu, dass Frauen dieses dominante Verhalten kopieren und die besseren Männer sein wollen.

Janina Kugel, Personalvorstand bei Siemens, hält nichts von alldem. Sie setzt bewusst auf ihre Weiblichkeit. Da dürfen ruhig auch mal Tränen während eines Meetings fließen und barfuß durchs Büro gelaufen werden, wenn die High-Heels zu unbequem sind. „Ich habe eigentlich viel Solidarität zwischen Frauen während meiner Karriere erfahren. Wenn man den Weg schon mal bereitet hat, finde ich, sollte man ihn auch mit anderen Frauen teilen“, sagte Kugel im April dieses Jahres während eines Vortrags bei „The Lovers“. Die „Liebenden“ ist ein Frauennetzwerk, wie Edition F, das schon seit 2004 weibliche Bemächtigung und Führung unterstützt. Es ist eine von vielen Agenturen, die Workshops und Coaching speziell für Frauen anbieten. In Tagessymposien werden diese darin bestärkt, ihre Weiblichkeit zu nutzen, statt zu verstecken. Nicht der bessere Mann, sondern einfach Frau mit Kompetenz zu sein, nicht verbissen, sondern authentisch. „Miteinander statt nebeneinander“, so lautet das Credo von The Lovers. Ein Credo, das hoffentlich bei Frauen bald als Selbstverständlichkeit gilt.

 

Beitrag: Nadja von Bossel

Foto: Marija Zaric via Unsplash

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