Sachen gibt’s: Botox

vor 3 Monaten

Seinen kometenhaften Aufstieg zum Faltenkiller Nr. 1 verdankt das Nervengift Botulinumtoxin einem Zufall.

Doch schon lange vor der Kosmetikindustrie entdeckten Geheimdienste, finstere Mächte und Spinner Botox als Mittel, um nicht weniger als die Weltherrschaft an sich zu reißen.

WURSTGIFT
Botulinumtoxin ist das stärkste bekannte Gift der Welt. 0,00000007 Gramm reichen aus, um einen Erwachsenen zu töten. Seinen Namen verdankt es einer Reihe mysteriöser Todesfälle, die Ende des 18. Jahrhunderts nach dem Verzehr von Blutwürsten auftraten: Botulus ist lateinisch und bedeutet Wurst, und Toxin heißt Gift.

MASSENVERNICHTUNGSWAFFE
Seit den 1920er-Jahren erforschten die USA, Deutschland, Japan und Russland die Einsatzmöglichkeiten von Botox als Biowaffe. Im Jahr 2003 zählte Botox zu den vom Irak angeblich angehäuften Massenvernichtungswaffen, die den Auslöser des Dritten Golfkriegs bildeten. Nach der Invasion der US-amerikanischen Truppen konnten allerdings keine irakischen Botox-Vorräte sichergestellt werden.

CASTROS ZIGARRE
Einen absurden Höhepunkt erreichte das US-amerikanische Botox-Programm im Jahr 1961, als der Chemiker und CIA-Mastermind Sidney Gottlieb den Plan ausheckte, Zigarren von Fidel Castros Lieblingsmarke Cohiba mit Botox zu vergiften. Letztendlich kamen die Botox-Zigarren nie zum Einsatz, wurden aber Jahre später erneut getestet und für immer noch wirksam befunden.

KRIEGSWAFFENKONTROLLGESETZ
Botox legt Muskeln lahm und wird seit den 1980er-Jahren zur Behandlung von Bewegungsstö- rungen gespritzt. Bei Herstellung, Aufbewahrung und Vertrieb müssen Pharmafirmen das Kriegswaffenkontrollgesetz beachten. Durch die extreme Verdünnung medizinischer Botox-Präparate kann eine tödliche Vergiftung aber ausgeschlossen werden.

PATIENTIN NULL
Das kanadische Ärzteehepaar Jean und Alastair Carruthers entdeckte die faltenglättende Wirkung von Botox 1987 durch einen Zufall: Eine Patientin, die wegen Lidzuckens mit Botox behandelt wurde, bemerkte, dass die Spritzen sie attraktiver und jünger aussehen ließen.

LIFESTYLEMARKETING
Botox ist der Markenname eines US-amerikanischen Präparats, das in Europa als Vistabel vertrieben wird. Weitere gebräuchliche Konkurrenzprodukte heißen Azzalure und Bocouture. Die kreative Namensgebung soll die potenzielle Gefährlichkeit des Wirkstoffs verschleiern und ihn stattdessen als Lifestyle- und Glamour-Produkt vermarkten.

BIOTERRORISMUS
Im Jahr 1980 wurde bei der Durchsuchung einer konspirativen Wohnung der Roten Armee Fraktion in Paris neben Sprengstoff und Munition auch eine erhebliche Menge an Botox sichergestellt. 1990 führte die japanische Sekte Aum Shinrikyo einen erfolglosen Anschlag mit Botox in den Straßen Tokios durch. 2005 rechneten zwei Mathematiker der Stanford University aus, dass ein Terroranschlag mit Botox auf die zentralisierte Milchwirtschaft in den USA verheerende Folgen haben würde.

DEPRESSIONEN
Jüngste Studien zeigen, dass die Faltenbehandlung mit Botox einen positiven Effekt auf depressive Patienten hat. Es wird spekuliert, dass die Entspannung des Gesichtsausdrucks sich positiv auf den Gemütszustand zurückwirke.

Beitrag: Diana Weis

Der Beitrag erschien in der Fräulein Nr. 22.

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