So klingt Xavier Dolan

vor 4 Jahren

Die schönsten Songs aus den Filmen des kanadischen Jungregisseurs Xavier Dolan.

Der Soundtrack eines Films ist ebenso wichtig wie die Geschichte und seine Figuren selbst. Häufig passiert es, dass wir uns erst wieder durch einen Song an diese eine Filmszene erinnern, die uns für lange Zeit berührt hat. Durch das Einspielen von Musik wirken die Handlung und ihre Bilder so eindringlich und expressiv, so dass die Zuschauer auf eine tiefe und emotionale Ebene berührt werden, wie es rein visuell nur selten gelingt. Über das Zusammenspiel von Musik und Film und dessen Wirkung ist sich auch Xavier Dolan bewusst. In jedem seiner Filme schafft er die perfekte Symbiose aus Musik und Bild.

Dolan gehört zu den aufmerksamsten und talentiertesten Filmemachern, Drehbuchautoren und Schauspielern der Gegenwart. Seine Filme stammen aus seiner eigenen, künstlerischen Feder und erzählerischen Vorstellungskraft. Er schreibt Drehbücher, führt Regie und übernahm in den ersten drei Filmen zudem die Hauptrolle. Ihn nach fünf Filmen, diversen Musikvideos (zuletzt Adeles „Hello“) noch immer ein Enfant Terrible zu nennen, wäre maßlos untertrieben. Denn Dolans Filme erheben Anspruch auf eine besondere, erzählerische Schönheit. Die Geschichten, ihre Figuren und die intimen Momente, die Dolans Protagonisten durchleben, rühren tief und lassen unser eigenes Verlangen nach dem Leben und den Menschen um uns herum hinterfragen. Sie scheinen wie ein Spiegelbild unserer Generation und gesellschaftlichen Konventionen. Dolan schildert die innere Zerrissenheit junger Menschen, die Konfrontation des eigenen Ichs und Fremdwahrnehmung und Herausforderungen von Beziehungen. Mit jedem einzelnen Film schreibt Xavier Dolan erneut ein ästhetisches Manifest.

Dabei spielt neben der Handlung und der visuellen Aufbereitung auch die Musik eine entscheidende Rolle bei Dolan, die eine erstaunliche Wirkung erzielt. Während andere Regisseure und Regisseurinnen auf den Zug der Avantgardemusik aufspringen, wendet sich Dolan allen Genres zu, vor allem Songs der 90er und 2000er mit Schnulzen- und Trashpotential. Seine Titelauswahl ist so bunt wie das Angebot in einer Süßwarenabteilung. Von Céline Dion über Dido, Counting Crows, Eiffel 65, Fever Ray, The Knife und Moderat, bis hin zu Vivaldi. Und genau darin liegt die Kunst. Durch Xavier Dolan bekommen die Mainstream-Songs plötzlich einen avantgardistischen Charme, umhüllt von einem nostalgischen Schleier. Wie die Schauspieler wirken auch die Lieder zugeschnitten auf jede einzelne Szene. Und weil eben diese gelungene Interaktion so besonders ist, zeigen wir euch eine Playlist mit den besten Tracks aus seinen Filmen I Killed My Mother, Heartbeats, Laurence Anyways, Tom at the Farm und Mommy.

Beitrag: Alina Amato
Foto: Still aus „I Killed My Mother“

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