Weekend Reads zum Wochenende

vor 1 Woche

Heimat, Rassismus und Free Bleeding – drei Artikel mit Erklärungskraft.

Heimat in Europa

Die Europawahl steht kurz bevor. Die Vision einer geschlossenen Einheit ist für viele Bürgerinnen und Bürger gescheitert. Große Unsicherheit über die Zukunft der EU werden durch den Brexit gefüttert. Die EU in ihrer Funktion soll ein Ort der Heimat sein.
Aber was bedeutet Heimat? Und was Europa? Fünf Zugezogene und Einheimische einer Region verraten ihre Auffassungen und Überzeugungen.

„Unter Europa verstehe ich, mich frei zwischen den einzelnen Ländern bewegen zu können. Wie angenehm diese Reisefreiheit ist, merke ich gerade wieder, wenn an der österreichisch-deutschen Grenze kontrolliert wird. Österreich ist von Berchtesgaden aus sehr nah und es ist für mich selbstverständlich, „mal eben“ nach Salzburg zu fahren. Aber jetzt werde ich manchmal zur Ausweiskontrolle angehalten. Und da merkt man erst – auch wenn es nur wenige Minuten sind -, wie selbstverständlich es vorher war, nach Österreich zu fahren.Und das aufzugeben, weil manche sich nationale Grenzen zurückwünschen, kann ich mir einfach nicht vorstellen. Auch, weil Grenzen doch etwas Künstliches sind.“ (Nina Schlesener, 35)

 

Die Erfindung des Rassismus

Journalistin Vanessu Vu geht der Frage auf den Grund, wie Rassismus entstehen konnte. Erst die Idee einer Unterscheidung von Rassen ermöglichte das Gefühl von Überlegenheit zu begründen und durchzusetzen, so ihre Hauptthese.

„Rassismus ist die stille, vielleicht wirkmächtigste Ideologie der Menschheitsgeschichte. Wie konnte das passieren? Biologisch, darüber sind sich Wissenschaftler heute einig, gibt es keine unterschiedlichen, abgrenzbaren Menschenrassen. Das sei vielmehr eine „ideologische Kopfgeburt“, schreibt der Soziologe Wulf D. Hund. In die Welt gekommen mit Hilfe kolonialer Gewalt, von der Aufklärung des 18. Jahrhunderts systematisiert und in den falschen Stand eines wissenschaftlich beweisbaren Fakts erhoben. Jahrhundertelang kamen die Menschen ohne Rassismus aus. Aber das Bedürfnis, sich und die eigene Gruppe aufzuwerten, indem man andere abwertet, das gab es wohl schon immer. Das Wort für „ich“ ist in vielen Sprachen identisch mit dem Wort „Mensch“. Alle anderen sind in der Sprachlogik nicht mal Menschen. Und seit jeher bekämpften die Menschen einander, Sieger drängten nach Kriegen den Besiegten ihre Kultur auf oder versklavten sie.“

 

Free Bleeding: Diese Menschen menstruieren ohne Hygieneprodukte

Das Thema Menstruation hat sich mit der MeToo Bewegung langsam einen Weg in öffentliche Debatten gebahnt. Viele Frauen wenden sich heute von Tampons und Binden ab und steigen auf  Menstruationstassen um. Andere wiederum versuchen es jetzt ganz ohne Hilfsmittel. Johanna Juni erklärt wie Free Bleeding funktioniert und welche Vorteile und Nachteile diese Methode mit sich bringt.

„Wenn Anne ihre Periode hat, nimmt sie weder Hormonpräparate noch Tampons oder Binden. Stattdessen geht sie etwa alle 20-30 Minuten zur Toilette, lässt das Blut ablaufen und wendet sich danach wieder ihrem Alltag zu. Anne ist 33 Jahre alt, lebt am Rand von Berlin und hat zwei Kinder. Sie betreibt den YouTube-Kanal Natürliche Fruchtbarkeit und den Blog Trainyabrain mit den Schwerpunkten natürlich schwanger werden und Zyklusbeobachtung. Dabei schaut sie sich bewusst die Eisprungzeiten des Frauenkörpers an. So war es für sie nur logisch, auch eine natürliche Form des Menstruierens auszuprobieren. Die freie Menstruation bedeutet, keine künstlichen Produkte zu benutzen, die das Blut während der Periode im Körper halten.“

 

Text: Teresa Löckmann

 

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