Weekend Reads zum Wochenende

vor 1 Monat

Von der Gefahr des Machismus über den Wandel der Instagram-Selbstdarstellung bis hin zur Vielfalt des Pride Month.

 

Ich wollte meinen Machismo verstehen

Fernanda Melchor, eine junge Autorin aus Mexiko, spricht im Interview über ihre Erfahrungen von Gewalt gegen Frauen und das Einwirken von Machismus hinein bis in die Gay Community ihres Heimatlandes. Diese Themen sind auch Bestandteil ihres neuen Roman “Saison der Wirbelstürme”, welcher von einer Hexe erzählt. Hexerei ist in vielen Gegenden Mexikos normal, gilt jedoch auch als Bedrohung und so stellt die Hexe in ihrem Roman als Symbol der starken, unabhängigen Frau den Sündenbock für all die Macho-Ängste der Gesellschaft dar.

Melchor behandelt in ihrem Werk die zahlreichen Femizide in Mexiko und wurde dabei von einem echten Vorfall inspiriert ist: “„Eine Person, die sich mit Hexerei beschäftigt, wurde tot aufgefunden. Sie ist berühmt in diesem kleinen Dorf inmitten der Zuckerrohrfelder. Es ist bereits bekannt, dass der Mörder ein Liebhaber dieser Person ist, der die Hexe getötet hat, weil diese Hexerei betrieben hat, damit er zu ihr zurückkommt.“ Ich fand es überraschend, dass die Polizei und die Journalisten diese Geschichte akzeptierten, als sei das total normal.”

 

Launen statt Dauergrinsen

Schon länger zeigt sich auf Instagram eine Veränderung. Minimalistisch dekorierte Zimmer, geschmackvoll angerichtetes Essen, das selbe Urlaubsfoto wie tausend Menschen zuvor – diese perfekt inszenierten Bilder mit Filtermodus werden immer unbeliebter. Die Menschen wollen keine Beliebigkeit und Bedeutungslosigkeit mehr, erklärt die Kunstwissenschaftlerin Anika Meier. Stattdessen sei Ugly Instagram immer mehr im Kommen und biete Menschen scheinbar einen Ausweg aus der Selbstoptimierung, wobei die Selbstdarstellung immer noch stattfindet – nur subtiler.

Wie Ugly Fashion so soll auch ein Ugly Instagram zeigen, dass man sich selbst nicht zu ernst nimmt und nicht auf Bestätigung aus ist. Auf einem solchen Account sieht es dann eben aus, als hätte der uncoole Onkel die Fotos gemacht und vergessen, sie zu komponieren und zu bearbeiten. Der Blitz war natürlich nur aus Schusseligkeit an. Ein Ugly Instagram funktioniert wie eine Pinnwand bzw. wie ein Tumblr. Man teilt neben eigenen Bildern Fundstücke aus dem Internet, Screenshots, Memes, alles, was einen irgendwie interessant macht ohne einen wie einen Angeber wirken zu lassen.”

 

15 Stolze Stimmen von mutigen Pride-Teilnehmer*innen

Der Pride-Month ist grad erst gestartet und schon gibt es Widerstände aus konservativen Kreisen. Mit der Forderung einer “Straight Pride” haben diese zuletzt auf sich aufmerksam gemacht. Dass die Pride jedoch ihren Zweck als Demonstration und Feiern für die Gleichstellung von Queeren Personen nicht verlieren sollte und wie wichtig sie ist, zeigen diese wunderschönen 15 Kurz-Portraits von Pride-Teilnehmer*innen.

Die Pride bietet Räume, um sich zu zeigen, wie man ist und mit Gleichgesinnten sich bestärkt zu fühlen: „Die Pride und Partys wie diese werden gebraucht, damit man sich manchmal einfach frei fühlen kann. Sein wahres Ich öffentlich zu zeigen tut so gut. Und dann zu wissen dass alle um dich herum sich genauso fühlen ist unbezahlbar. Wir zeigen, dass wir da sind und uns egal ist was ihr über uns sagt.“

 

Frauen an die Macht!

Es ist eine Frage, die in den nächsten Jahren immer wichtiger wird: Wie wird das Arbeitsleben der Zukunft aussehen? Insbesondere in Anbetracht der kommenden Zunahme von künstlicher Intelligenz. Der Autor nimmt Bezug auf die Ideen der Philosophin Lisa Herzog: demokratische geführte Unternehmen sowie das staatliche Begreifen von Arbeitslosigkeit als normalen Übergang zwischen Jobs in Zeiten von fehlenden Festanstellungen und befristeten Arbeitsverträgen. Zudem verweist Herzog auf die Kraft von unten, um die Arbeitsbedingungen zu ändern.

Der Autor sieht daher insbesondere in einer “Feminisierung” der Arbeit potenzial, um zu überdenken wie man Arbeit und Privatleben besser unter einen Hut bringen kann. Auf diesem Wege könnte nach Alternativen zu Vollzeit-Arbeitsmodellen gesucht und Raum für mehr Zwischenmenschlichkeit geschaffen werden. Insbesondere in der Pflege und ähnlichen Berufen dürfte letztere nicht zu kurz kommen und die Aufgaben nicht, wie bereits durch manche technischen Entwicklungen zu erahnen, Robotern überlassen werden.

 

Die Initiative Adefra zeigt Schwarzen Frauen* in Deutschland, was Mut bedeutet

Im Interview mit Vogue sprechen die Frauen der Kerngruppe von Adefra über ihre Selbstorganisation und die Bedeutung von Sichtbarkeit. Die Initiative will durch politisches Lobbying und regelmäßige Treffen symbolische Räume für Schwarze Frauen* und Women of Color schaffen. Sie erzählen von der Erfahrung von Mehrfachmarginalisierungen, z.B. von queeren schwarzen Frauen, die Diversität ihrer Gruppe und ihren Identifikationsfiguren.

Dabei wird die Bedeutung von Repräsentation sehr deutlich. Maisha Auma: “Ich zitiere immer Rudine Sims Bishop, eine Schwarze Professorin, die sagte: „Kinder brauchen Spiegel und Fenster wir brauchen Spiegel, damit wir uns sehen, und Fenster, damit wir Erfahrungen mit sozialer Diversität machen können. Das ist die Aufgabe, die Repräsentation erfüllen soll: allen Menschen Spiegel und Fenster anzubieten.”

 

Text: Stefanie Triebe

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