Weekend Reads

vor 3 Monaten

Unsere Lesetipps geben euch neue Dankanstöße zum Thema Liebe und Beziehungen.

Warum ich keine Lust mehr darauf habe, die Meilensteine von Pärchen zu feiern

Wie fühlt es sich an, zu neun verschiedenen Junggesellinen-Wochenenden, vier Baby Showers und sechs Hochzeiten pro Jahr eingeladen zu werden und dabei Single zu sein? Und das Jahr für Jahr. Die Autorin rechnet in ihrem Artikel mit der überzogenen Feierei von Pärchen bezogenen Events in der Gesellschaft ab und stellt die Idee auf auch für Singles entsprechende Würdigungen zu veranstalten. “Ich frage mich, ob ich weniger traurig und erschöpft wäre und mehr Freude empfinden könnte, wenn es genauso große Partys für Singles gäbe. Sind wir doch mal ehrlich: Es gibt keine Feste, bei denen die Meilensteine alleinstehender Frauen gefeiert werden. Als ich die 10-Jahres-Marke meines Single-Daseins überschritten habe, habe ich das nicht zusammen mit 100 Gästen und einem zweitägigen Event gefeiert.”

 

Charlotte Roche: “Es ist das erste Mal, dass ich so etwas Privates mache”

Die Autorin Charlotte Roche (Feuchtgebiete) spricht in ihrem neuen Podcast mit ihrem Mann über ihre 15-jährige Beziehung. Im Interview mit der Zeit erzählt sie viel über Monogamie und warum sie denkt, dass diese nicht tatsächlich funktioniert. Stattdessen könne es helfen “fremdzugehen”, um die Liebe am Leben zu erhalten und dadurch die Möglichkeit zu erfahren, selber und in der Beziehung zu wachsen. “Selbst wenn ich es verbiete, könnte sich mein Mann verlieben. Und eventuell verliert man einen geliebten Partner eher, wenn man etwas ganz Natürliches tabuisiert. Dann wird eine Beziehung beendet, nur weil man so streng war.” Zudem hat sie gelernt, dass Beziehung Arbeit bedeute und es wichtig ist, “die Regeln der Beziehung an die sich im Laufe der Jahre ändernden Ansprüche des Einzelnen anzupassen”.

 

Schatz, mach mal ein Foto!

Das zehntausendste Urlaubsfoto, ein Partybild mit den Freundinnen oder beim Posen am Pool. Selbstinszenierung bei Instagram funktioniert meist nach dem selben Muster. Aber wie entstehen diese Bilder eigentlich? Hinter jedem Foto steckt ein mehr oder weniger begeisterter Partner oder sonstiges Familienmitglied, das sich immer wieder der selben Prozedur hingeben muss. Der Instagram Account “Boyfriends of Instagram” zeigt die Helden hinter den Bildern und nimmt unsere Selbstdarstellung gekonnt aufs Korn.

 

“Je mehr die Menschen suchen, desto unsicherer werden sie”

Im Gespräch mit der SZ spricht die bekannte Soziologieprofessorin Eva Illouz über Schönheitsstandards, die Organisation von Dating-Plattformen nach Marktmechanismen und dessen Auswirkungen auf unsere Beziehungen. Einen Widerspruch sieht sie darin, dass viele Menschen einen Partner sowohl nach normierten gesellschaftlichen Vorstellungen von Attraktivität und zugleich ihres eigenen persönlichen Geschmacks suchen. “Durch mediale Bilder, Schönheitschirurgie und das Internet wurden Körper und Gesichter normiert. Frauen und Männer neigen dazu, sich nach bestimmten äußerlichen Kriterien zu präsentieren. Die Suche nach dem richtigen Topf kann dadurch extrem viel Zeit und Anstrengung kosten. Und je mehr die Menschen suchen, desto unsicherer werden sie dann doch darüber, was sie sich von der anderen Person überhaupt wünschen.”

 

Girlfags: “Ich bin eine schwule Frau”

Girlfags sind Frauen, die sich als schwul bezeichnen und in schwule Männer verliebt sind. Viele würden ihr Geschlecht ändern wollen, erklärt die Autorin, da dies aber nicht so leicht ist, verzichten sie auf binäre Identitäten. Jennifer von Schuckmann, eine der ersten offen bekennenden Girlfags Deutschlands, behandelt in ihrem Film “MimiCry” das Thema Girlfags. “Darin folgt sie Mimi auf ihrer Suche nach Sexualität und Identität. „Ich glaube nicht an eine Eindeutigkeit in Sachen Geschlecht und Sexualität“, sagt von Schuckmann. „Man muss sich nicht entscheiden, das Dazwischen ist wichtig. Anders gesagt: Erst im Zusammenspiel ergeben die Farben einen Regenbogen.” Girlfags und Guyduyks stoßen in der queeren Szene jedoch oft auch auf Unverständnis. In Berlin hat sich ein Stammtisch gegründet, wo sich angesprochene Menschen treffen können: “Hier sieht man alle Facetten, die es in diesem Spektrum gibt: non-binary-Personen, trans Menschen, bisexuelle Frauen, Girlfags, Guydykes.”

 

Text: Stefanie Triebe

 

 

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