Trainingstagebuch #3

vor 7 Monaten

Wie unsere Autorin durch den Marathon lernt, die Signale ihres Körpers richtig zu deuten und das Runners-High zu nutzen.

Es hat 9 Grad unter Null, der Himmel ist blaugrau, am Horizont sieht man einen dunstigen Streifen Sonnenlicht. Das soll der kälteste Januar seit etwa sieben Jahren gewesen sein. Das zumindest sagte man im Radio. Tatsächlich bin ich diesen Winter an meine Grenzen gestoßen, was meine Vorbereitung auf den Marathon betrifft. Der Schnee im Januar, der den Waldboden mit einer dicken, festgetretenen und zum Teil sehr glatten Schicht bedeckt hat, hatte allerdings auch einen Vorteil: Alles wirkte so viel heller.

Ich renne durch den Wald. Feine, kalte Regentropfen verdampfen auf meinem glühenden Gesicht. Die leichte, kalte Brise des bevorstehenden Frühlings ist eine willkommene Abkühlung, denn trotz der noch immer teilweise eisigen Temperaturen ist mir ziemlich heiß. Über 20 Kilometer laufe ich inzwischen. An anderen Tagen sind es zwischen 8 und 12 Kilometer. Einmal pro Woche mache ich Krafttraining, an einem Tag darf ich pausieren.

Noch immer ist es kalt und dunkel morgens, doch habe ich keine Probleme, auch schon im Morgengrauen bevor die Sonne aufgeht ausreichend zu sehen. Da nehme ich die teils rutschigen Abschnitte durch den Regen in Kauf.

Ich stehe inzwischen kurz vor dem Marathon. In den letzten Wochen, habe ich viel gelernt. Zum Beispiel, dass sich mein Körperbewusstsein drastisch verändert hat. Während ich mir, als sehr tollpatschiger Mensch, bisher wenig Gedanken über Verletzungen gemacht habe, weiß ich jetzt, dass ich ein wenig auf mich achtgeben muss. Nicht nur, was kleine Unfälle im Alltag betrifft, die einen Trainingsausfall bedeuten können, sondern auch was meine Ernährung angeht: Die Energie, die ich verbrenne (bei einem langen Lauf verbrenne ich in etwa 1200kcal), muss ich meinem Körper auch zuführen, um Kraft aufbauen zu können. Tue ich dies nicht (klassischer Fall von „vergessen zu essen“), so straft mich mein Körper direkt mit Schwäche.

Ich habe gelernt auf die Signale zu hören. Ich bin sensibel geworden, schon für die kleinsten Veränderungen. So fand ich auch relativ schnell heraus, wie wichtig Dehnen nach dem Training ist. Am Anfang habe ich das vernachlässigt, aber mittlerweile ist dieser Schritt unverzichtbar. Besonders nach dem wöchentlichen langen Lauf, merke ich, dass die halbe Stunde nach dem Rennen unbedingt eingeplant werden muss. Kommt das Dehnen zu kurz, straft mich mein Körper auch hier direkt: Meine Muskulatur ist am nächsten Tag extrem verhärtet und ich kann mich kaum bewegen, ohne das Gefühl zu haben, mir den Oberschenkel zu zerren.

Also versuche mich an die Routine zu halten. Früh morgens aufstehen, als erstes Laufen gehen, eine halbe Stunde dehnen, dann kann der Tag beginnen. Die größte Motivation ist für mich das Gefühl, das sich nach dem Laufen in mir und meinem Körper ausbreitet. Sind die Kilometer erst einmal geschafft, bin ich geduscht und habe etwas gegessen, dann spüre ich jede Faser meines Körpers. Flexibel, stark und ausgelastet. Der morgendliche Lauf bringt mich in Hochstimmung, das sogenannte Runners-High, bei dem der Körper Endorphine ausschüttet, tritt bei mir erst nach dem Sport ein. Aber die Erinnerung daran treibt mich trotzdem meist zuverlässig in die noch spätwinterliche Kälte raus.

Beitrag: Laura Greiff

Kultur

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