Interview & Playlist: Hinds

vor 4 Jahren
Der Sommer wird heiß, rockig und schmeckt schon jetzt nach kühlem Bier und spanischen Tapas.

Die beste Playlist für Sommernächte und Strandurlaub kommt diese Woche aus Madrid. Vor etwa fünf Jahren gründeten Ana Perrote, Carlotta Cosials, Ade Martin und Amber Grimbergen die Garage-Rock-Girlband Hinds, dieses Jahr veröffentlichten sie ihr Debütalbum Leave Me Alone. Ein kurzes Gespräch mit den vier Musikerinnen über Bühnenoutfits, Frauen in der Musikindustrie und Goodfellas.

Fräulein: Was inspiriert euch beim Schreiben? Gibt es einen speziellen Prozess?
Hinds: Wir sind von den Abenteuern inspiriert, die das Leben für uns bereithält. Wenn wir Schreiben entsteht eine sehr kooperative Dynamik zwischen uns, auch wenn die Melodien und Texte vor allem von Carlotta und Ana kommen.

Wie entstehen eure Videos? Warum habt ihr euch entschieden den Clip zu „Bamboo“ selbst zu drehen? 
Alle Videos haben eine eigene Mission. Das Video zu „Bamboo“ ist das erste das wir je gemacht haben. Es ist ein Eindruck von dem, wie wir als Band angefangen haben. Es ist ein Video um zu sagen: „Das sind wir!“ Wenn du jemanden externen fragst deine Videos zu produzieren, ist es für diese Person schwieriger den Fokus darauf zu legen, was die Band zeigen will.

Wie sieht bei euch ein klassischer Tag im Studio aus? 
Oh! Er dauert sehr, sehr lange! Als wir in Madrid waren, haben wir acht Stunden pro Tag geprobt. Wir haben nur zwischendurch mal etwas gegessen – Brotstangen, Redbull und Bier… Eine verrückte Diät.

Gibt es eine besondere Routine, kurz bevor ihr auf die Bühne geht? Was ist eure schlimmste Tour-Erinnerung? 
Wir trinken immer ein Bier und hören laut Musik, damit wir mit einer guten Laune auf die Bühne gehen. Wir wären nicht in der Lage ein gutes Konzert zu spielen, würden wir uns nicht gut fühlen. Unsere schlimmste Erinnerung ist die, dass es auf einem Konzert keinen Backstage-Bereich für uns gab. Es gab eine Pop-Band, die wir sehr unterstützt haben, deren Namen wir aber nicht nennen wollen. Ihr gesamtes Team hat uns wie Scheiße behandelt. Sie haben uns aus dem gemeinsamen Backstage-Bereich geschmissen. Es war im tiefsten Winter, wir konnten nirgendwo hin, mit all unseren Koffern. Wir waren schließlich auf Tour. Das war wirklich sehr schockierend und traurig..

Was denkt ihr über Berlin? Was ist eure schönste Erinnerung an diese Stadt? 
Berlin ist eine der coolsten Städte der Welt! Die Stadt ist ein bisschen wie Madrid. Wir haben das Gefühl, dass in Berlin alles möglich ist. In Berlin genießen die Menschen große Freiheit, das fühlt man. Der beste Tag, den wir in Berlin hatten, war bei unserer allerersten Show in Berlin. Es war unser bisher punkigster Live-Gig. Unsere Instrumente haben wir vom Promoter ausgeliehen, weil wir ohne unsere eigenen unterwegs waren, da wir eigentlich nur für eine Recording Session da waren. Der Ort ähnelte einer alten Scheune, ohne richtige Wände oder Boden. Das Publikum war sehr kommunikativ, während der gesamten Show. Es war eine wunderbare Nacht.

Was wäre euer Lieblingsort für ein Konzert?
Eine Kreuzfahrt!

Für wen würdet ihr gerne ein privates Konzert spielen?
Obama!!!

Nach welchen Kriterien sucht ihr eure Bühnenoutfits aus?
Wir ziehen an was gerade sauber ist..

Warum singt ihr auf Englisch?
Aus verschiedenen Gründen.  Als wir angefangen haben Songs zu schreiben ist es einfach so passiert. Wahrscheinlich deswegen, weil wir fast nur englischsprachige Musik hören. Und Englisch ist ja eine internationale Sprache. Wie du dir vorstellen kannst, hat uns das die Türen geöffnet. Wir antworten dir sogar jetzt auf Englisch, obwohl es nicht unsere Muttersprache ist. Und wir müssen dazu sagen, dass es einigen von uns lieber ist, wenn die Mama nicht gleich die Texte versteht (lachen).

Was denkt ihr über die Kesha-Geschichte und wie Frauen grundsätzlich in der Musikindustrie behandelt werden? 
Frauen in der Musikindustrie werden auf jeden Fall viel schlechter als Männer behandelt. Jeden Tag finden wir Beispiele von Machotum. Wir kommen aus Spanien, ein Land, in dem Sexismus ein großes Problem ist. Wir haben selbst viele dumme Kommentare mitbekommen und ich bin mir sicher, dass wir noch mehr solcher negativen Erfahrungen machen werden.

Welche Musik hört ihr momentan besonders gern?
Ich liebe Lana Del Rey, weil ihre Musik so sanft und magisch klingt. Bevor wir ausgehen hören wir gerne Jazzmusik der 30er und 40er Jahre. Das erzeugt die perfekte Stimmung für eine Zigarette, kurz bevor du in den Bus steigst.

Welchen Film habt ihr vor kurzem gesehen? 
Wir lieben Filme! Einen Film, den wir vor kurzem alle zusammen geschaut haben war „Goodfellas“. Wir hatten ihn alle schon mal gesehen, aber das war schon lange. Ein  Meisterwerk!

Welche Songs bei den vier Mädels derzeit ganz oben auf der Playlist stehen, hört ihr hier:

Interview: Milena Bialas
Foto: Salva Lopez

Musik

Verwandte Artikel