Kommentar: KKW – Hauptsache im Gespräch

vor 1 Woche

Kim Kardashian West hat es wieder einmal geschafft, das Internet in Aufruhr zu versetzen.

Vergangene Woche war Kim Kardashian West zu Gast in der Late Night Show Jimmy Kimmel Live und berichtete unter anderem darüber, wie sie bei Präsident Donald Trump für die 63-jährige inhaftierte Alice Marie Johnson um Gnade gebeten hatte. Johnson war 1996 zu lebenslangem Freiheitsentzug ohne die Möglichkeit auf Strafaussetzung verurteilt worden. Sie wurde für schuldig gesprochen, in Drogenhandel involviert gewesen zu sein. Alice Marie Johnson soll hierbei als Telefonvermittlerin fungiert haben. Sie war noch nie zuvor straffällig geworden. Nun ist ein Gnadengesuch in einem Fall wie diesem prinzipiell erstmal eine gute Sache. Dass Kim Kardashian West ihre mediale Präsenz und den damit verbundenen Einfluss für etwas Gutes nutzt, das möchte Kim hier niemand absprechen.

"You know, he's done something amazing.", Kim Kardashian West über Donald J. Trump

Fraglich ist in erster Linie der amerikanische Umgang mit Freiheitsentzug, der „War on Drugs“ und die damit einhergehende ethnische Selektivität der Haftstrafen. Oder auch die scheinbar nach Sympathie gehenden Begnadigungen des US-Präsidenten. So hatte Trump in den letzten Monaten unter anderem den umstrittenen konservativen Kommentator Dinesh D’Souza begnadigt. Dieser war wegen Verstößen gegen Wahlkampffinanzierungsgesetze zu einer Freiheitsstrafe auf Bewährung sowie zu einer Geldstrafe verurteilt worden. Zuvor hatte Trump außerdem „Amerikas härtesten Sheriff“ Joe Arpaio begnadigt, der verurteilt worden war, weil er trotz entgegenstehender richterlicher Anordnung weiterhin racial profiling bei Verkehrskontrollen betrieben hatte, um so möglicherweise illegal eingewanderte Personen aufzuspüren.

Aber zurück zu Kim: Fraglich ist auch ihr Umgang mit diesem Gnadengesuch. In Interviews rund um ihr Treffen mit dem Präsidenten hob sie immer wieder die wohlwollende Geste Trumps hervor und versuchte dadurch ein gutes Licht auf ihn zu werfen. Insbesondere nachdem auch ihr Ehemann Kanye West kürzlich dafür kritisiert worden war, Trump zu glorifizieren, sollte sie mittlerweile sensibilisiert genug sein, um einschätzen zu können, ob hier die positiven, oder aber die negativen Kommentare in den Sozialen Netzwerken überwiegen würden. Es scheint ihr egal zu sein, Hauptsache sie bleibt im Gespräch.

Überhaupt keine Kritik zu äußern, sollte aber eigentlich auch keine Option sein. Einen Präsidenten wie Donald Trump, der hochgradig sexistisch, xenophob und homophob (um nur drei seiner wesentlichen Charakterzüge zu nennen) ist, jedoch zu loben und „nichts schlechtes über den Präsidenten zu sagen“ zu haben, ist nicht unpolitisch. So etwas ist schlichtweg gleichermaßen sexistisch, xenophob und homophob wie das, was Trump selbst twittert.

 

"I have nothing bad to say about the president.", Kim Kardashian West

Kim, die dadurch berühmt wurde, sich selbst zur Marke gemacht zu haben, nutzt förmlich alles als Werbung in eigener Sache. Ob man nun Fan sein mag, oder nicht, Reality Show, Bekleidungsmarke, Computerspiel, Make-Up-Linie, App und Parfum – überall steckt die Marke Kim Kardashian dahinter. Und mit alledem verdienen sie und ihre Familie Millionen. Kim Kardashian West folgen derzeit rund 115 Millionen Menschen auf Instagram. So ist Instagram natürlich der optimale Kanal für Publicity.

Kurz nach ihrem Auftritt bei Jimmy Kimmel, in dem sie ganz nebenbei erwähnte, während eines Telefonats mit Trump nackt gewesen zu sein, machte sie durch ihre Instagram-Stories erneut von sich reden:

Zu sehen sind die Kardashian/Jenner Schwestern, die die hocherfreute Kim mit vermeintlichen Komplimenten überhäufen. Es fallen Formulierungen wie „ich habe noch nie eine Person gesehen, die dünner ist als sie“, oder „man kann fast durch sie hindurch sehen“. Kim fordert ihre Schwestern immer wieder dazu auf, das bereits Gesagte für die Kamera zu wiederholen und nimmt die Aussagen ihrer Schwestern dankend entgegen. Sie lässt sich auch nicht nehmen zu betonen, dass sie ohne ihre Hair-Extensions noch weniger wiege.

Mager zu sein, scheint das einzig wahre Ziel im Leben der Kardashians zu sein. Ausgerechnet Kim, die in jüngster Vergangenheit bereits wegen der Vermarktung von appetithemmenden Lutschern in die Kritik geraten war und auch davon ab nicht unbedingt für ein gesundes und natürliches Körperverständnis steht, scheint einfach nicht dazu zu lernen. Die Wortwahl in den geteilten Videos ist extrem bedenklich und mag bei manchen Zuschauern den Eindruck erwecken, dass Magersucht etwas ist, dem es nachzueifern gilt. Dass es in unserer Gesellschaft sowieso schon viel zu viele insbesondere Mädchen und junge Frauen in unserer Gesellschaft gibt, die unter Essstörungen und Magersucht leiden, weiß jeder. Auch Kim und ihre Schwestern. Umso widerlicher ist es, dass man scheinbar damit hausieren geht, magersüchtig auszusehen.

Ob es nun der Besuch bei einem der wahnsinnigen Präsidenten unserer Zeit ist, oder aber magersuchtsbejahende Videos, die auf Sozialen Netzwerken kursieren – Hauptsache Kim und ihr Clan bleiben in aller Munde. Schlagzeilen sind immer herzlich willkommen.

Man kann sich schon auf Kims mögliches Statement zu der Kritik freuen. Vielleicht wird diese ähnlich einfallsreich wie die von Donald Trump: Er versuchte seine Äußerung während einer Pressekonferenz mit Russlands Präsident Wladimir Putin bezüglich Russlands Einmischung in die US-Wahlen zu revidieren indem er schlicht behauptete, eigentlich das absolute Gegenteil von dem gemeint zu haben, was er tatsächlich gesagt hatte. Alles klar.

 

Bilder: Twitter, Instagram

Beitrag: Penelope Dützmann

Verwandte Artikel